Maerzmusiktheater
Nach dem Konsens der Spätmoderne, den Thomas Macho in seinem Buch «Todesmetaphern» formuliert hat, können wir uns vom Tod kein Bildnis machen und über ihn nicht reden. Wer redet, lebt noch; die Toten aber schweigen. Und aus dem Land, aus dem noch niemand je zurückgekehrt ist, gibt es keine Bilder. Da klingt es nach Widerstand gegen denkerische Diktate, wenn die Schweizerin Mela Meierhans einen «Jenseitsreigen» für Musiktheater schreibt, als sei die Bilderfeindlichkeit vorüber und das Feld für ein Spiel der Metaphern wieder frei.
Maerzmusik, das Berliner Festival für aktuelle Musik, hat alle Teile der «Jenseitstrilogie» uraufgeführt, 2006, 2010 und 2014. Doch tatsächlich wagte keiner einen Vorgriff auf die andere Seite. Jeder blieb im Diesseits, bei den Vorgängen des Sterbens und Trauerns.
Anschaulich und schön stieß Meierhans noch 2006 mit «Tante Hänsi» in ein exterritoriales Gebiet Europas vor: die Innerschweiz mit ihren bäuerlichen Bestattungsriten, die durch Wetter und Höhenlage natürlichen Zwängen unterworfen sind. Der Jodlerklub Wiesenberg eröffnete dem Publikum dabei eine Klangwelt, zu der globale Urbanisten normalerweise keinen Zutritt haben. Schon «Rithaa» über ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Jan Brachmann
Auf seiner Website nennt er sich «Saddo», vom englischen sad. Dabei klingt seine
Lebensgeschichte gar nicht so traurig. Der britische Tenor Christopher Gillett steht seit 35 Jahren auf der Bühne, überall. An der Scala, in Aix, in Los Angeles. In London hat er einst unter Carlos Kleiber gesungen, Rodrigo in Verdis «Otello». Kürzlich half er an der Seite von Diana...
Die Veröffentlichung der CD-Einspielung von Leonardo Vincis «Artaserse» war ein großer Erfolg (vgl. OW 12/2012). Der Jubel setzte sich fort, als das Werk in der Inszenierung des rumänischen Regisseurs Silviu Purcarete auch auf die Bühne kam (vgl. ebenda) – unter anderem an der Opéra national de Lorraine in Nancy, wo der Mitschnitt entstand, der jetzt auf DVD...
Unter den Dokumentarfilmern, die sich für Musik interessieren, nimmt Bruno Monsaingeon einen besonderen Rang ein. Der Franzose ist ausgebildeter Geiger und verkehrt mit Musikern sozusagen in ihrer Sprache. Das hat ihm nicht nur Türen, sondern auch Herzen geöffnet. Monsaingeon interessiert sich für die eher scheuen, oft schwierigen Künstler, die ihren Weg abseits...
