Schlachthof
Hasst der Regisseur die Musik? Hadert er mit diesem Zwitterstück, das weder Oper noch Oratorium ist? Das Hector Berlioz als légende dramatique bezeichnete, das 1846 konzertant uraufgeführt, aber erst 1893, fast ein Vierteljahrhundert nach dem Tod des Komponisten, an der Pariser Opéra comique in Szene gesetzt wurde? Man könnte das meinen, wenn man sieht, wie der ungarische Theatermann Árpád Schilling in seiner ersten Operninszenierung zum berühmten «Rákóczi-Marsch» am Ende des ersten Teils die Titelfigur rhythmisch stampfen lässt und Bilder aus einem Schlachthof zeigt, in dem Schw
eine zerlegt werden. Ungarn, das Fleisch-Land par excellence, ist nur einer der Schauplätze einer vielschichtigen, verstörenden, spannenden Produktion, die krass ausstellt, dass der Mensch womöglich die grausamste Bestie der Schöpfung ist.
In der ersten Szene zeigt Bühnenbildner Márton Ágh die Postkartenansicht eines malerischen Sees, es könnte der Balaton sein: Doktor Faust hat es zu etwas gebracht, er kann vom Schlafzimmer seines Bungalows direkt in den See hüpfen. Zum Lebensglück fehlt ihm nur eine Partnerin. Die Regie hat die Figur gleichsam tripolar aufgespalten, dem Gelehrten einen jungen, ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Sigfried Schibli
Als eine Art pièce de résistance gilt Brittens «Billy Budd» innerhalb der opernaffinen Queer-Community. Der «schöne Matrose», der alle Bewunderung an Deck eines Kriegsschiffs auf sich zieht, wird gern als Bild latent homosexueller Arbeits- und Lebenszusammenhänge gedeutet. Und entspricht so möglicherweise sogar den Intentionen des Komponisten (dessen Lebenspartner...
Das schrägste, schmierigste, schaurig-schönste Faktotum dieser «Erzählungen» ist der schlaksige Weißkittel, Doktor Spalanzani. Irgendwo treibt er sich immer herum auf der Bühne des Teatro Real. Manchmal schiebt er eine abgedeckte Leiche quer durch die ranzige Halle, in deren Mitte Aktmodelle für ergraute Eleven posieren, die mit dem Kohlestift die Zeit totschlagen....
Sehen sie nicht alle irgendwie geklont aus? Die Damen hinter den neonbeleuchteten Schaufenstern im Amsterdamer Rotlichtbezirk tragen uniform Perücken, sitzen, wenn überhaupt, in engem Latex da, blicken ausdrucklos unter dicken Makeup-Schichten oder zeigen totaloperierte Brüste. Und in dieser Gegend neben dem Hauptbahnhof scheint auch Àlex Ollé seine ästhetischen...
