Belcantotheater
Geht es um Belcanto, «geben sich die Produzenten meist damit zufrieden, um ein paar Vokalstars herum dekorative Arrangements zu schaffen», habe ich aus früherem Anlass einmal moniert. Wie schön, dass ich jetzt von drei prominenten Gegenbeispielen berichten kann, bei denen die Regisseure die szenischen Herausforderungen und Möglichkeiten, die in den Stücken stecken, ernsthaft angenommen haben und dabei zu denkwürdigen Ergebnissen gekommen sind.
In München hat man Donizettis «La Favorite» in der französischen Originalfassung auf den Spielplan gesetzt, um Elīna Garanča Gelegenheit für ihr szenisches Rollendebüt als Léonor zu geben, aber gleichzeitig einen Rahmen geschaffen, der auch ihre schauspielerischen Fähigkeiten forderte, indem man die Gattung der Grand opéra durch Reduktion und Abstrahierung des Pomps entkleidete und das Kammerspiel der Frau zwischen zwei Männern in den Vordergrund stellte. Die Inszenierung Amélie Niermeyers kommt möglicherweise auf DVD zu stärkerer Wirkung als im Riesenraum des Nationaltheaters. Ein Meer von Stühlen auf der leeren Bühne gibt die symbolische Szenerie ab. Gleichsam «zwischen allen Stühlen» taumeln Léonor und Fernand ihrem tragischen Ende ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Ekkehard Pluta
Die Vorgeschichte dieses Abends liegt neun Jahre zurück. Im Mai 2009 hatte am Aalto-Theater in Essen Richard Wagners «Walküre» Premiere – Dietrich W. Hilsdorfs zweite Wagner-Regie. Teil eines von vier Regisseuren übernommenen «Ring des Nibelungen». Das schmeckte natürlich nach einem Wiederaufguss des «Stuttgarter Modells» von 2002/03, der in Essen (mit Ausnahme von...
An der «Gerechtigkeit» des Weltlaufs darf man zweifeln – zumal in der Musik mit ihren Wechselwirkungen von Ästhetischem und Sozialem: der Rezeptionsgeschichte samt ihren Irrungen und Wirrungen. So wurden bis vor 100 Jahren selbst Mozart, Haydn und Schubert eher unterschätzt, weil letztlich zu wenig bekannt. Mendelssohn indes galt als unangefochten populär,...
Alles auf einmal wollen. Alles ausprobieren. Warum nicht? Leben besteht daraus: schauen, was geht, mal vor, mal zurück. Erst recht auf der Opernbühne des Als-ob-Lebens. Im Speziellen: an der Oper Halle. Die Dramaturgin kündigt an, die «Aida» sei auch ein Experiment. Gefühle sollen in Wallungen geraten. Wohlige Vorfreude breitet sich aus, zumal hier, wo Florian Lutz...
