Vom Doppelgesicht des Patriotismus
Das Erdbeben ereignete sich nicht nur in den Straßen von Paris, sondern auch auf den Opernbühnen. Die Französische Revolution hinterließ eben überall ihre Spuren.
Vielleicht am deutlichsten bei François-Joseph Gossec, nicht nur weil er während der Revolutionsjahre mit etlichen Ämtern und Pöstchen bekleidet wurde – er war Vorsitzender des Comité de lecture an der Opéra, anschließend Mitglied des Prüfungs-ausschusses für die dort aufzuführenden Werke, zudem Gründungsmitglied des Institut de France –, sondern auch weil sich seine musikalische Sprache den neuen Gegebenheiten anpasste. Seine pro-revolutionäre Begeisterung inspirierte ihn zu Hymnen, Chören, Märschen und anderen Stücken Militärmusik, die bei allen möglichen Gelegenheiten aufgeführt wurden. Daneben gelang es ihm, seinen eigenen, bereits über Jahre hinweg erprobten Opernstil mit dem Bekenntnis zur Revolution zu verbinden. So wurde «L’Offrance à la Liberté», eine Dramatisierung der «Marseillaise», zu einem großen Erfolg, ganz anders als «Le Triomphe de la République ou le Camp de Grand Pré». Das Werk, ein Jahr nach der «Offrance» im Januar 1793 uraufgeführt, bezieht sich auf den allgemeinen Enthusiasmus nach der Bekanntgabe des Sieges der Kellermann-Bataillone während der Kanonade von Valmy. ...
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