Zerschossene Träume
Serge Dorny lehnt sich zurück und weist in die Ferne. In seinem gläsernen Büro hoch über Lyon räsoniert der Opernintendant über Interaktionen mit den Stadtteiltheatern oder dezentrale Kultur- und Bildungsprojekte, welche die drittgrößte französische Stadt und ihre sozialen Problemviertel so bitter nötig haben. «Für mich sind kulturelle Aktivitäten in diesen Gegenden kein Marketing, sondern wir stellen uns ganz grundsätzlich die Frage, wie Kultur an den Äußerungen einer Stadt teilhaben kann, etwa an der Allgemeinbildung der Jugendlichen.
Damit befragen wir die eigene Institution nach ihrer Relevanz.»
Auch das Viertel, das unmittelbar hinter dem pompösen Rathaus von Lyon den Hügel hinaufkriecht, war ein klassisches Arbeiterviertel mit hohem Migrantenanteil, in dem (westliche) Kultur eher misstrauisch beäugt wurde. Das hat sich geändert. Vor allem mit dem Théâtre de la Croix-Rousse, einem Bau aus den späten 1920er-Jahren, gibt es eine Zusammenarbeit in Sachen Musiktheater, mit dem der Direktor Jean Lacornerie als Regisseur eigene Erfahrungen hat. Wobei er diesmal auf ein Werk verfiel, das in Frankreich noch nie und in Deutschland nur selten gespielt wurde: Boris Blachers Kammeroper ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Michael Struck-Schloen
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