Kaltes Feuer
Die stärkste Szene spielt vorn an der Rampe. Eine schwarze Schwanenfrau trippelt da auf Spitze. Vor einem goldglänzenden Vorhang. Versucht verzweifelt abzuheben. Spreizt die Flügelarme, windet sich, kreiselt um die eigene Achse. Klack macht es, klack, klack, klack. Immer schneller, immer lauter. Der Atem wird schwer. Bis die Luft ausgeht. Bis der Schwan in sich zusammensackt. Ein Kunstwesen aus Tüll und Tanzschuhen. Kein Ton dringt aus dem Graben, kein Laut aus dem Parkett. Gespenstische Stille.
Lulus langes Sterben, ihr ganzes fiebrig flimmerndes Drama steckt in dieser stummen Szene, die den ersten Akt beschließt. Im Körpertheater der Tänzerin Rosalba Torres Guerrero.
Sogar Barbara Hannigan, die mit rückhaltloser Energie und beispiellosem Einsatz Krzysztof Warlikowskis Brüsseler Inszenierung von Alban Bergs Monstre-Tragödie dominiert, hat sich davongestohlen. Es ist der einzige Moment, in dem die kanadische Sopranistin das Geschehen nicht bestimmt. Sie ist der Star, das Kraftzentrum, die Abendsonne, in deren Feuer alle verglühen. Eine Darstellerin von unglaublicher Präsenz. Aber auch eine Sängerin mit einer platingehärteten Stimme und schneidender Intonation. Mit einem Timbre, das ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Albrecht Thiemann
Das Geschäftsmodell hat damals gar nicht schlecht funktioniert. Komponist und Librettist konzipierten eine Huldigungsoper, bezahlen musste sie der Adressat beziehungsweise der diplomatische Vertreter, der gerade in Hamburg ansässig war. Auf diese Weise kam auch 1702 am Gänsemarkt Reinhard Keisers «Sieg der fruchtbaren Pomona» zur Uraufführung. Man feierte den 31....
Metternichs Zensoren waren ihr Geld wert. Als man ihnen 1833 Albert Lortzings Vaudeville «Andreas Hofer» vorlegte, untersagten sie die Aufführung sofort. Dabei lag der Protagonist als Tiroler Volksheld mit seinem Kampf gegen die napoleonischen und bayerischen Besatzer politisch durchaus auf der Linie der Restauration – das Stück klingt nicht zufällig mit einem...
Ein Wischmopp samt rotem Eimer? Mag sein, dass in diesem augenfälligen Requisit im ersten Akt von «Fidelio» ein zentraler Deutungsansatz der britischen Regisseurin Deborah Warner steckt. Ein anderer könnte der Schluss des zweiten Akts sein, wenn unter ohrenbetäubendem Lärm eine Betonmauer in sich zusammenstürzt. Unter dem Ansturm urbaner Ikonoklasten? Ein Mauerfall...
