Herzschmerz
Am Ende durfte er sie doch noch in die Arme schließen. Drei Akte lang hatte Angela Gheorghiu auf der Konzertbühne der Deutschen Oper als Cileas Adriana Lecouvreur die unnahbare Diva gegeben. In stahlgrau schimmernder Robe, mit manierierter Gestik und extrovertierter Stimme. Die dunklen Töne der Verzweiflung, das Höhenfeuer der Eifersucht, das zum Ausdrucksmittel stilisierte Luftholen, die gestelzte Deklamation – Gheorghius Kunstwesen genügte sich eigentlich selbst.
Doch weil ihr Maurizio Jonas Kaufmann hieß und in der hier besprochenen Aufführung obendrein gegen eine Erkältung ansingen musste, legte sie ihren Ego-Panzer in den letzten vier Nummern für den klangschön und nuanciert, doch mit einigem Druck singenden Startenor endlich ab. Da war es um sie freilich schon geschehen – vergiftet von der Nebenbuhlerin. Fast hatte ihr Anna Smirnova als stimmmächtige Fürstin von Bouillon schon vorher die Schau gestohlen: Die Russin ging die Partie mit so viel gefühlsechtem dramatischen Furor an, dass ihr der Szenenapplaus schon nach der Arie zu Beginn des zweiten Akts («Acerba volutta») entgegenbrandete. Ein vom Publikum nicht minder honoriertes Meisterstück an differenzierender ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es dauert nicht lange, da serviert Calixto Bieito im Basler Theater den ersten Schocker. Ramfis (mit eindrucksvollem Oberkörper und kräftigem Bass: Daniel Golossov), ganzkörperbemalt als eine Art Fußballkrieger, hat ein aufgeschlitztes Reh dabei und wühlt in den blutigen Eingeweiden, während er die Schnauze küsst. Ein Priester in Soutane führt ein Kind an der...
Ein Geist schwebt über den Wassern. Im glitzernden Leibchen scheint Maura Morales aller Erdenschwere enthoben. «Ein Sturm weht», heißt es zuvor in einer Leuchtschrift, der «Engel der Verzweiflung» hängt nicht einfach in den Seilen, sondern stürzt sich wenig später mal kopfüber, mal kopfunter in ein Geschehen, das ihm am Ende nicht unbedingt gut bekommen soll.
Ein...
Ich nippe gerade am Jasmintee, um die gesalzenen Sonnenblumenkerne aus den Zähnen zu spülen, als oben auf der Bühne, unter bunten Lampions und Troddeln, das Spektakel losgeht. Während die Trommelgruppe sich an rasanten Rhythmen die Finger wund hämmert, sausen Speere durch die Luft, werden mit blitzschnellen Drehungen pariert, durch galanten Fußkick auf den Gegner...
