Das Grauen in uns
Weiß ist der Mond, funktioniert mit 220 Volt und bietet Wärme in muffiger Kellerhölle. Liebkosend hält Rusalka ihn im Arm, während sie sich dem Liebsten und einer Utopie entgegensingt. Doch der Traum hält der Wirklichkeit nicht stand, verzweifelt wirft sie die Elektrokugel von sich. Ein Gefängnis also, bevölkert von Leidensschwestern, dominiert von einem schnauzbärtigen Proll in Adidas-Hose und Bademantel, der den Beschützer spielt und sich an den Frauen vergreift. Ein Mann des Grauens. Ein Mann wie Joseph Fritzl, der Inzest-Vater aus Amstetten.
Längst schon ist die Regie bei Antonín Dvoráks vielsagender Nixen-Tragödie übers Märchen hinaus. Während Jossi Wieler und Sergio Morabito bei ihrer Salzburger Festspielproduktion vor zwei Jahren «Rusalka» ins Edel-Bordell steckten, dreht Martin Kusej an der Bayerischen Staatsoper nun alles um mindestens drei Umdrehungen weiter. Da der Kärntner mit Ähnlichkeiten jongliert, drängen sich Assoziationen mit dem Fall Fritzl und dem der gekidnappten Natascha Kampusch auf. Doch Kusej bietet mehr als eine 1:1-Theatralisierung der Wirklichkeit. Er misstraut nicht (wie oft bei anderen Operneinsätzen) dem Werk. Kusej nimmt «Rusalka» vielmehr auf eine ...
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1979 wurde die dreiaktige Fassung von Alban Bergs «Lulu» an der Opéra de Paris uraufgeführt, vervollständigt von Friedrich Cerha. Eine Sensation damals. Trotzdem ist die Kritik am dritten Akt seitdem nicht verstummt. Überfrachtet, schwer durchhörbar, eben doch nicht wirklich Berg, hießen – pauschal zusammengefasst – die Einwände. Sie galten weniger der Ergänzung...
Geschäftig wuseln die Streicher des RSO Wien, von Dirigent Bertrand de Billy energisch angetrieben, in den ersten Takten von «Ariadne auf Naxos». Beflissen eilt diese Musik voraus, möchte den Hörer führen wie der diensteifrige Einheimische den ortsunkundigen Fremden.
Doch wohin? Zunächst in einen «tiefen, kaum möblierten und dürftig erleuchteten Raum im Hause eines...
Wo Türen und Fenster undicht sind, zieht es, und Hoffmann ist mitten darin. Zappelnd Starres dient dem, Traum wird frei, ruft jedem nach.» So hatte 1930, halb philosophisch raunend, halb expressionistisch stammelnd, Ernst Bloch seine Kritik von Otto Klemperers berühmter Produktion an der Berliner Kroll-Oper begonnen. Offenbachs fantastische Oper ist Urgestein des...
