Tiefen und Untiefen bei Verdi
Als Koproduktion der Opernhäuser in Novosibirsk und Paris ist eine Inszenierung von Verdis «Macbeth» entstanden, die einen Meilenstein in der Rezeptionsgeschichte des Werkes darstellt. Der Regisseur Dmitri Tcherniakov und der Dirigent Teodor Currentzis, die nicht zum ersten Mal zusammenarbeiteten, haben auf der gemeinsamen Suche nach Verdis Wahrheit tief geschürft und sind dabei fündig geworden.
Dabei hatte Tcherniakov nach eigenem Bekenntnis zunächst keinen Zugang zu dem Werk, das ihm von Gerard Mortier angetragen wurde, und ist ihm erst durch monatelanges Hinterfragen auf den Grund gekommen. Die Ergebnisse seiner Überlegungen sind überraschend und lassen das Stück in neuem Licht erscheinen. Der Regisseur, der auch sein eigener Bühnen- und Kostümbildner ist, schafft auf der Szene einen geografisch wie historisch abstrakten Raum. Eine künstliche Kleinstadt wird zum Mikrokosmos, die Gemeinschaft ihrer Bewohner ersetzt die mythischen Hexen, und die Eheleute Macbeth sind Menschen wie du und ich, die beinahe unwillentlich in die Spirale von Gier und Gewalt geraten und darin schließlich seelisch und mental zugrunde gehen.
Diese Konzeption setzt Tcherniakov mit unangreifbarer ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Medien | DVDs, Seite 31
von Ekkehard Pluta
«La petite mort» nennt der Franzose den Orgasmus, und die jungfräuliche Gouvernante erfährt ihn in einem wirren erotischen Traum am Ende des ersten Akts. Ihre unterdrückten erotischen Sehnsüchte mögen der Schlüssel sein zum rätselhaften Geschehen, das der amerikanische Romancier Henry James 1898 in einer berühmten Novelle beschrieb und das Benjamin Britten genial...
Für medientaugliche Themen und lukrative Nischen im Kulturbetrieb hatte der Autor und Regisseur Michael Sturminger schon immer eine gute Nase. Vor fünf Jahren zum Beispiel, als ganz Österreich sich zum 250. Geburtstag des Wolferl aus Salzburg im Mozart-Rausch befand, schrieb er das Libretto zu einer Oper mit dem schönen Titel «I hate Mozart» (Musik: Bernhard Lang)....
Und es gibt ihn doch: den Berliner Charme. Raffinement ist nicht seine Stärke, er neigt eher zum Rustikalen. Der Ton ist rau, der Witz derber als anderswo, und manchmal strotzt er nur so vor lauter Selbstbewusstsein. An Spree und Havel trägt man das Herz eben nicht auf der Zunge, sondern zeigt es frei nach Schnauze. «Uns kann keener», tönt der Volksmund und...
