Shoot-out in Missouri
Im Wald, da sind nicht nur, halli, hallo, die Räuber. Sondern auch die Phantome der deutschen romantischen Fantasie, zwielichtige Wesen wie Undine, Fafner, die Knusperhexe, Samiel. Der Wald ist ja, wenn man Elias Canetti glauben will, gerade für Germanen ein magischer Ort: «Das Rigide und Parallele der aufrecht stehenden Bäume, ihre Dichte und ihre Zahl erfüllt das Herz des Deutschen mit tiefer und geheimnisvoller Freude...»
Canettis Satz findet sich im Programmheft zu Anna Bergmanns Inszenierung des Weber’schen «Freischütz» am Klagenfurter Stadttheater.
In besagtem Heft liest man auch Hans Pfitzners Bemerkung, der «deutsche Wald im Sonnenglanz, von Hornklängen und Jagdlust belebt», sei die eigentliche Hauptperson dieser Oper. Doch dienen die erwähnten Zitate eher als Diskussionsbasis zur Klärung der Frage, warum dies alles bei Anna Bergmann eben nicht stattfindet. Man sieht ein Village wie aus amerikanischen Horrorfilmen, irgendwo im ländlichen Nirgendwo verloren, mit fremdenfeindlicher, bigott-fundamentalistischer, waffennärrischer, gewalttätiger und bekiffter Einwohnerschaft. Ben Baurs Drehbühne spiegelt ein Kaleidoskop des Dorfalltags, mit Winkeln und Kammern und einem Platz ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Persché
Soll es ein Wald sein, dichtes Geäst, durchsetzt von Lichtpunkten? Oder doch eine Metropole aus der Vogelperspektive? Oder einfach ein Haufen Geröll? Schimmert plötzlich ein bleiches Riesengesicht hervor? Schwer zu sagen, schwer zu sehen, was da im ersten Akt hinter Mimes metallener Baukastenwerkstatt flimmert. Denken kann man sich viel, es bringt aber wenig. Denn...
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