Oh Wort, das mir fehlt
Che l’oratione sia padrona dell’armonia e non serva» – diese Forderung Claudio Monteverdis nach Sinnvermittlung stand als das erste Gebot des Gesangs am Beginn der Oper. Die Forderung ist von vielen Komponisten aufgenommen und paraphrasiert worden.
Nach bitteren Theatererfahrungen mit sinnlos übersetzten oder nach Sängerlaune entstellten Texten schrieb Richard Wagner in seinem Aufsatz «Der dramatische Gesang»: «Die höchste Reinheit des Tons, die höchste Präzision und Rundung, die höchste Glätte der Passagen … wie die höchste Reinheit der Aussprache bilden das Fundament für den Gesangsvortrag.» Woran kann es liegen, dass heute in deutschen Theatern bei Aufführungen deutscher Opern der Text als Obertitel mitlaufen muss? Entweder sind einzelne Sänger der meist multinationalen Ensembles nicht in der Lage, ihre Texte idiomatisch und eloquent zu singen und zu sprechen, oder es fehlt ihnen die vokale Technik, die Worte dergestalt in den Klang zu betten, dass sie verständlich sind. Oft sind es nur Wortfetzen, die den Hörer erreichen.
Ein Beispiel von den Salzburger Festspielen 2006 ist die Aufführung der «Zauberflöte» unter der musikalischen Leitung von Riccardo Muti. Die Rollen der drei ...
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Fast siebzig Jahre hatte es nach der Züricher Uraufführung gedauert, bis Alban Bergs «Lulu» 1986 erstmals in Regensburg zu erleben war. Wiederum einundzwanzig Jahre später kam jetzt die zweite Inszenierung heraus. Intendant Ernö Weil realisierte die zweiaktige Fassung in der stimmigen Ausstattung von Daniel Dvorák, besetzt mit hauseigenen Kräften. Dass die...
Was? Sie kennen Dvoráks «Král a Uhlír» nicht? – Kral-a-was? Nee. Muss man das kennen? Ein bisschen snobistisch ist es schon, wenn Orfeo auf dem Cover wie auf dem Besetzungszettel nur den tschechischen Titel eines Werkes nennt, von dem außerhalb Tschechiens kaum jemand je gehört haben dürfte. «Král a Uhlír» ist ganz simpel mit «König und Köhler» zu übersetzen, es...
Die Klage «Manca la diva» kann man heute nur noch selten erheben, wenn es um Aufführungen des romantischen Belcanto-Repertoires geht, und auch die Tenöre singen technisch und stilistisch meist kompetenter als ihre Vorgänger vor einem halben Jahrhundert. Doch die Frage, wie man den Werken szenisch adäquat beikommt, ohne den Primat des Gesangs anzutasten, wird in den...
