Neues von Siegfried
Wenn der lange Zeit vergessene (vielleicht auch verdrängte), dabei außerordentlich produktive Siegfried Wagner als Komponist mehr und mehr wieder wahr- und vor allem ernst genommen wird, ist das vor allem ein Verdienst des Regisseurs Peter P. Pachl, des Dirigenten Frank Strobel und des Labels Marco Polo, das deren fast durchweg auf freier Basis realisierten Produktionen mit einem gewissen geschäftlichen Risiko auf Tonträgern oder DVD vertreibt.
Die beiden aktuellen Veröffentlichungen erbringen einmal mehr den Nachweis, dass Siegfried Wagners Opern ein fester Platz neben den häufiger gespielten Werken von Richard Strauss und Franz Schreker zukommen sollte.
Der Komponist hielt seine dritte Oper «Der Kobold» (1904) für seine gelungenste. Auf jeden Fall ist sie musikalisch so reich und vielgestaltig, dass dem Hörer die mehr als drei Stunden Spieldauer nicht lang werden. Trotz mancher Unschärfen und Abstrusitäten und des oftmals raunenden Tons im selbstverfassten Libretto ist die Verquickung von Märchen und Psychoanalyse einerseits, von volkstümlicher Melodienseligkeit und spätromantischem Orchesterschwall andererseits durchaus faszinierend. Vater Richard ist zwar allgegenwärtig, es ...
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Darf man? Muss man? Braucht «Moses und Aron» den dritten Akt – oder ist er überflüssig wie ein Kropf? Fast zwei Jahrzehnte hatte Arnold Schönberg sich vergebens damit abgeplagt, einen Schluss für sein Opus magnum zu finden, und seine Witwe stellt im Nachwort zum Klavierauszug des zweiaktigen Torsos fest: «Wie es ist, so hat es sein sollen». Zoltán Kocsis, Komponist...
Das Timing war brillant: Nur zwei Tage vor den pompös inszenierten Eröffnungs-feierlichkeiten von Ruhr2010 feuerte Aalto-Theater-Intendant Stefan Soltesz einen öffentlichen Brandbrief ab, in dem er die drohenden Kürzungen für die Kultur bei gleichzeitiger Kulturhauptstadt-Verschwendungssucht anprangerte. Prägnanter kann man die Schieflage von Festivalitis und...
Bei der Uraufführung 1935 in der Semperoper (unter Karl Böhm) war klar, zu welcher Partei der Held in Rudolf Wagner-Régenys Oper «Der Günstling» zu rechnen ist: Gil, der einfache Mann aus dem Volk, der sich opfert, um den mächtigen, fremdländischen Günstling auszuschalten und so die alte Missherrschaft zu beenden, vertrat die neue nationalsozialistische Zeit. Das...
