Von Blindheit erleuchtet
Die Choreografin Pina Bausch ist lange nach dem Ende ihrer Karriere als Tänzerin noch zweimal als Schauspielerin aufgetreten: in Boris Blachers Gombrowicz-Oper «Yvonne, Prinzessin von Burgund» als stumme Titelfigur, in Fellinis «Schiff der Träume» als blinde Prinzessin. Die Lautlose kann sich nicht mitteilen; zum Nicht-Sehen-Können gehören die Hilflosigkeit wie das Charisma des «blinden Sehers», aber auch die «Verblendung» des Fanatikers, prototypisch der «Don Carlos»-Großinquisitor: ein Greis und blind.
Dass Stücke über «Blinde» im späten 19. und frühen 20.
Jahrhundert häufig anzutreffen sind, mag mit dem Doppelcharakter des Fortschritts zu tun haben: Gehörte zur Technik der Weitblick, dessen Rationalität romantische Realitätsverweigerung konterkarierte (etwa in Maeterlincks Drama «Die Blinden»), so zur industriellen Dynamik die militärische Massenvernichtung mit ihren unzähligen Kriegsblinden. Wenn nun die Frankfurter Oper zwei einschlägige russische Opern bündig koppelt, so reflektiert sie weltflüchtiges Fin de Siècle-Kunstmärchen wie neuzeitliche Schreckens-Sachlichkeit. Steht Tschaikowskys letzte Oper «Iolanta» (1892) im Zeichen der Liebes-Erlösungs-Mystik, so dokumentiert ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Gerhard R. Koch
Mit seiner ersten Oper «Benvenuto Cellini», die 1838 an der Pariser Opéra herauskam, hatte Hector Berlioz wenig Glück. Dramaturgische Schwächen und musikalische Längen standen einem Publikumserfolg im Wege. Auch spätere Überarbeitungen (etwa für Franz Liszt in Weimar) hatten nicht die gewünschte Wirkung. Erst in den 1960er-Jahren, als Nicolai Gedda den wie für...
Mit diesem Werk wagte Suppé 1885 noch einmal den Sprung zurück ins Operngenre und zugleich in seine dalmatinische Heimat. «Il Ritorno del Marinaio» spielt auf der Insel Hvar, damals Lisina, und es lag bestimmt am lokalen Kolorit, dass der im Spoleto genannten Split geborene und dort aufgewachsene Operettenfürst nach diesem Stoff griff. Am Libretto jedenfalls lag...
Das Stück hat Hochkonjunktur, zumindest in der Schweiz. An drei Bühnen des Landes mit unterschiedlicher Tradition und Kapazität kam Mozarts «Così fan tutte» heraus. Mit der Opéra de Lausanne wandte sich ein kleines, ungemein regsames Haus dem Stück zu. Das Vierspartentheater in Bern, das konsequent auf den Ensemblegedanken setzt, sorgte mit seiner Saisoneröffnung...
