Abgedrehter Tango

London, English National Opera, Bizet: Carmen

Opernwelt - Logo

Als Regisseurin von Filmen wie «Orlando» oder «The Tango Lesson» genießt Sally Potter Kultstatus. Nun gab sie an der English National Opera mit Bizets «Carmen» ihr Regiedebüt im Musiktheater. Die Produktion eröffnete die neue (manche Beobachter fürchten: letzte) Spielzeit der ENO. Potter, die ihre Karriere als Tänzerin begann, meinte eines der mit diesem Stück verbundenen Probleme dadurch zu lösen, dass sie sämtliche Dialoge strich. Die Hauptfiguren blieben schablonenhaft, ohne Tiefe, zumal die Regie selten zu einer fokussierten Haltung fand.

Im dritten Akt zum Beispiel schien Katie Van Kootens schön klingende Micaëla auf der Suche nach José («It seemed I could master my terror») völlig isoliert – weil die Regie die Szene nicht erklärt. Hinzu kam, dass Van Kooten die von Christopher Cowell besorgte neue, «aktualisierte» englische Fassung der ­(Arien-)Texte offenbar nicht lag. Alice Coote hatte mit der Titelpartie noch größere Mühe. Zweifellos ist sie eine gute Sängerin. Doch bis zur finalen Auseinandersetzung mit Julian Gavins unstetem, kehligem Don José war unklar, was Carmen eigentlich empfindet. Eher sprangen ihr rotes Kleid und der rote Mantel ins Auge, die aus Ca­therine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2007
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Tom Sutcliffe

Vergriffen
Weitere Beiträge
Scherz, Satire, Poesie und tiefere Bedeutung

Scherz, Satire, Poesie und tiefere Bedeutung
Opera Rara präsentiert Auszüge aus dreiundzwanzig vergessenen ­Bühnenwerken Jacques Offenbachs

Offenbachianer werden die neue 2-CD-Box «Entre Nous. Celebrating Offenbach» des englischen Entdecker-Labels Opera Rara mit einem lachenden und einem weinenden Auge zur Hand nehmen. Einundvierzig Auszüge aus dreiundzwanzig kaum...

Editorial

Oper im Fernsehen – das ist eine Herausforderung der besonderen Art. Aber auch ein Erlebnis der besonderen Art. Der Zuschauer im Parkett oder auf dem Rang sieht anders als Kameras, die zum Beispiel ein ­herangezoomtes Gesicht als schillernde Gefühlslandschaft zeigen können. Das Ohr im Saal hört anders als Mikrofone, mit denen sich das Wechselspiel von Stimmen und...

Zum Goldenen Opernhafen

Auf den Spielplänen unserer Schauspielhäuser tauchen sie kaum noch auf: Marius, Fanny und César, die in Frankreich unsterblichen Gestalten vom Alten Hafen in Marseille, denen Marcel Pagnol in seiner Trilogie ein wunderbar menschliches Denkmal setzte. «Zum Goldenen Anker» hieß das komplette Stück bei uns, und es wurde nach dem Krieg viel gespielt. Das Geheimnis...