Liebe im Kopf

Defoorts „House of the Sleeping Beauties“ in Brüssel

Opernwelt - Logo

Die Sache ist heikel. Das Libretto nach einem Buch des japanischen Nobelpreisträgers Yasunari Kawabata erzählt die Geschichte eines Freudenhauses, das alten Männern ein besonderes Vergnügen bietet. Sie dürfen die Nacht im Bett mit einem sehr jungen, in Tiefschlaf versetzten, unbekleideten jungen Mädchen verbringen. Erlaubt sind keine Berührungen, nur Gedankenflüge. Aber die umfassen durchaus erotische, sogar Gewaltfantasien.


Komponist Kris Defoort und Regisseur Guy Cassiers, gemeinsam mit Marianne van Kerkhoven auch Librettisten, setzen das so zurückhaltend und diskret in Szene, als wollten sie demonstrativ jedem Gedanken an den Fall Dutroux, der sich keine 100 Kilometer entfernt von Brüssel zugetragen hat, einen Riegel vorschieben. Und doch bewahrt sie das nicht davor, bei den Besprechungen selbst in einem seriösen Medium wie Deutschlandradio mit Schlagzeilen wie «Japanischer Kinderschänder sucht Belgien heim» konfrontiert zu werden.
Dabei schlägt bei dieser Oper die bisweilen arg schwergewichtige philosophische Tiefe jede sexuelle  Leichtigkeit aus dem Feld. Die drei als sich steigernde Folge beschriebenen Nächte im Bett mit der schlafenden Schönheit lösen bei Yoshio, dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2009
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Dieter Lintz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Auftrag Seiner Majestät

Wer seinen Goethe gelesen hat, wird in Guy Montavons Erfurter Inszenierung von Arrigo Boitos «Mefistofele» nicht schlecht staunen. Denn er bekommt hier einen Krimi zu sehen: Mephisto soll als Agent eines großen Geheimbundes, an dessen Spitze ein «Big Boss» namens Gott steht, dem Wissenschaftler Faust die Formel zur Erschaffung eines künstlichen Menschen abjagen....

Liebeskrank im Kleinflugzeug

Ob Ungarns derzeitiger Kultusminister István Hiller 2005 in Pécs war, als man dort das Trauerspiel «Uriel Acosta» des Berliners Karl Gutzkow (1811-1878) in neuer Übersetzung gab, wissen wir nicht. Doch das bekannteste Zitat daraus dürfte er kennen: «Alles schon da gewesen». Notorisch geläufig mag ihm der Spruch vielleicht auch im Zusammenhang mit der Budapester...

Drommetenrot

Polizeikordons in der Altstadt von Brno. Am Platz vor der Reduta, in der schon der elfjährige Mozart konzertiert hatte, sammelten sich Demonstranten, der milde Sonnenschein mochte so gar nicht mit der Aggression übereinstimmen, die in der Luft lag. Ein Tag im Mai, die Rechten wollten aufmarschieren, die Linken hatten viel dagegen. Der Platz war gut gewählt, gilt...