Die unglückliche Hand

Verdi: Otello New York / The Metropolitan Opera

Opernwelt - Logo

Bartlett Sher musste am Premierenabend Buhs einstecken. Am Broadway mag der Regisseur eine glückliche Hand haben – für die Oper beweist er wenig Gespür. Mit dem neuen «Otello» jedenfalls hat die Metropolitan Opera leider eine solide Produktion durch eine schwächere ersetzt, charakterisiert durch Klischees wie Videoprojektionen von Meereswellen, billig wirkendes Rotlicht und Plexiglaskulissen, die an IKEA-Lagerhäuser erinnerten.  Verdächtig nach einer Leihgabe aus der hauseigenen «Luisa Miller»-Produktion sahen die düsteren Charles-Dickens-Kostüme aus.

Einen Nerv traf der Schlussakt, der fast ohne Bühnenbild auskam.

Held des Abends war Dirigent Yannick Nézet-Séguin, der mit vorwärtsdrängenden Spannungsbögen und einem außergewöhnlich durchsichtigen Orchesterklang an seinen «Don Carlos»-Erfolg vom letzten Jahr anknüpfen könnte. Aleksandrs Antonenko, in der Premiere hörbar indisponiert, hatte die Titelpartie in der zweiten Aufführung wieder sicher im Griff, sang mit erfreulicher dynamischer Flexibilität und leichter Höhe. «Dio! Mi potevi scagliar» gestaltete er nach dem Vorbild James McCrackens im Semi-Parlando. Mit Routine und klar projizierter Artikulation des Textes konnte er seine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2015
Rubrik: Panorama, Seite 51
von David Shengold

Weitere Beiträge
Apropos... Zufall

Herr Akzeybek, war Singen für Sie schon immer ein Herzenswunsch?
Das hat sich so ergeben. Ich bin als Jugendlicher in Izmir öfter bei Familienfeiern aufgetreten. Irgendwann meinten Freunde, ich solle meine Stimme ausbilden lassen. So habe ich mich um einen Platz am städtischen Konservatorium beworben – und wurde angenommen.

Und da stand fest: Ich will Opernsänger...

Rotwelsch

Zu Sebastian Baumgartens Bayreuther «Tannhäuser» ist in dieser Zeitschrift das Notwendige gesagt worden (siehe OW 9-10/2011). Über Joep van Lieshouts «Technokrat»-Installation, in der die Figuren zur Biomasse einer auf Bedeutungshuberei gepolten Assoziationsmaschine schrumpfen. Über die prätentiöse, dialektisch verschraubte Antitheater-Attitüde, der alle Emphase...

Frisches Grün

Regisseur Calixto Bieito empfängt uns im ersten Aufzug seines «Tannhäuser» nicht mit einer Lusthölle, sondern mit einem Naturidyll. Die triebgesteuerte Unterwelt der Venus ist für den Spanier keine pornografische Zwangsveranstaltung, in der Tannhäuser die Luft zum Atmen dünn wird, sondern ein friedliches Reich voll frischen Grüns und zarter Sinnlichkeit....