Qualitätsarbeit
Reinhard Keisers für die Oper am Hamburger Gänsemarkt geschriebenes Opus über den «hochmütigen, gestürzten und wieder erhabenen Croesus» enthält genug action, um davon sechs Folgen einer Daily Soap zu bestreiten. Das 1711 uraufgeführte und 1730 überarbeitete Stück, das Opera North unter dem Titel «The Fortunes of King Croesus» derzeit als britische Erstaufführung zeigt, reichert ein schon damals etwas angestaubtes Libretto für Antonio Draghi mit einem komischen Subtext und einer Liebesgeschichte an.
So nimmt es kaum wunder, dass die narrative Stringenz und Charakterzeichnung nicht gerade das Niveau Händels erreicht. Indes – bei Keiser sind zwölf anspruchsvolle Partien zu besetzen, und hier zeigte Opera North eindrückliche Qualitätsarbeit.
Zum Beispiel in der Wahl des amerikanischen Sopranisten Michael Maniaci, der sein England-Debüt als Sohn des Croesus gab. Des Sprechens (und Singens!) zunächst nicht mächtig, gewinnt dieser Atis die Sprache erst mit dem traumatischen Erlebnis der Niederlage und Gefangennahme des Vaters durch den Perserkönig Cyrus wieder. Maniacis Spitzentöne kommen in bemerkenswerter Reinheit, oft freilich mit undeutlicher Diktion und schwankendem Legato. Da wirkt ...
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