Rautavaara: Rasputin
Das Stück hört sich fast so an, als hätten sich Meyerbeer, Puccini und Mascagni zusammengetan, um einen neuen «Boris Godunow» zu schreiben. Aber mehr als eine plakative Kopie der «Grande Opéra» mit – teilweise – heutigen Mitteln ist nicht dabei herausgekommen, gestützt auf einen lehrhaft-banalen Text und belastet von der ermüdenden Länge des Immer-noch-einmal-sagen-Müssens.
Die vom Intendanten Marc Adam szenisch betreute deutsche (und deutschsprachige) Erstaufführung von Rautavaaras Historienoper «Rasputin», die Lübeck mit anerkennenswertem Bemühen auf die Bühne wuchtete, unterstrich die Schwächen des Werkes mit harmlos wirkenden dekorativen Tableaubildungen und müden Orgien; die Ausstattung von Julia Hansen verlor sich im Historisierenden.
Musikalisch waren durchaus Ansätze zu spüren, dem Substanzlosen Substanz zu verleihen. Etwa bei Vincent Le Texier, der in der Titelrolle mit eindrucksvoll knorrigem Bass seine Litaneien repetierte. Oder bei Veronika Waldner, die mit ihrem expressiven Mezzo der eher kolportagehaft angelegten Figur der leidenden und verführten Zarin Alexandra menschliche Tiefe abzugewinnen vermochte. Auch die übrigen der insgesamt fünfundzwanzig handelnden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Er hat das moderne Regietheater praktiziert, als es den Begriff noch gar nicht gab. 1961 inszenierte Bohumil Herlischka in Düsseldorf einen «Freischütz», der auf empörte Ablehnung stieß und ihm trotz vorangegangener spektakulärer Erfolge wie mit der Ausgrabung von Schostakowitschs Urfassung der «Lady Macbeth von Mzensk» (1959) fast ein Arbeitsverbot einbrachte....
Niemand wird widersprechen: Der neue «Figaro» an Covent Garden sieht so gut aus, wie er klingt. Die Verwandlungen sind atemberaubend geschickt, das Dirigat ist elegant, die Besetzung gut. Jeder scheint zufrieden nach Hause zu gehen, oder? Nicht ganz. Denn es gibt ein Loch im Herzen dieses Abends, eine Kluft zwischen Ideen und psychologischem Verständnis. Szenischer...
Mit einer Vorstellungsdauer von über vier Stunden ist «Lotario», Hauptattraktion der 29. Händel-Festspiele, selbst für eingefuchste Händel-Fans ein ziemlich harter Brocken. Wie offenbar auch schon im Uraufführungsjahr 1729 in London. Nummer sechsundzwanzig (von insgesamt fünfundvierzig) der Opern Händels, stellt das Dramma per musica in tre atti nach einem...
