Falsettritter
Im Booklet seines neuen Recitals «Ombra mai fu» erscheint Philippe Jaroussky als bunt gefiederter Botschafter des venezianischen Karnevals. In der Tat widmet er sein neues Album der Lagunenstadt und einer ihrer ehemaligen Zelebritäten – gemeinsam mit dem Ensemble Artaserse untersucht Jaroussky den gewichtigen Beitrag Francesco Cavallis (1602-1676) zur venezianischen Oper.
Die karnevaleske Kostümierung des Sopranisten rührt offenbar daher, dass Oper in Venedig vor allem in der «tollen Jahreszeit» gespielt wurde.
Cavalli, aus Crema bei Mailand gebürtig, war zunächst Sänger im Dienste von San Marco, wurde später dort Organist und schließlich Monteverdis Nachfolger als Kapellmeister. Wie dieser war er auch der Theaterbühne mit einem so vielfältigen wie facettenreichen Œuvre eng verbunden. Jaroussky sucht all diesen Aspekten, Pathos, Ironie, Parodie, Eros und Thanatos gerecht zu werden, dem berührenden Lamento des Idraspe aus «Erismena» ebenso wie der ironischen Doppelbödigkeit von «Delizie, contente che l’alma beate» des Giasone, der hier eher als Anti-Held und Weichling figuriert. Und auch der kuriosen Erotik von «Ombra mai fu» aus «Serse» (die Arie gab dem Album den Titel), da ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 18
von Gerhard Persché
Herr Katzameier, Sie werden weltweit als Sciarrino-Spezialist geschätzt, an der Berliner Staatsoper haben Sie gerade an zwei Uraufführungen mitgewirkt, bei den Salzburger Osterfestspielen 2019 kommt «Thérèse» heraus, ein Werk von Philipp Maintz, bei dem Sie nicht nur die männliche Hauptrolle singen, sondern zu dem Sie auch das Libretto geschrieben haben. Wann sind...
Der Name klingt nicht nach Afrika. César Francks «Hulda» spielt im frühmittelalterlichen Norwegen, zur Zeit der kriegerischen Sippen. Der belgisch-französische Komponist hatte für sein Opernprojekt das erfolgreiche Drama «Halte-Hulda» des späteren Literatur-Nobelpreisträgers Bjørnstjerne Bjørnson ausgewählt. Mit der Psychologie der Vorlage vermochte das Libretto...
Im vergangenen Jahr war bei den Salzburger Festspielen Gottfried von Einems Oper «Der Prozess» wiederzuhören, ein textlastiges Stück, bei dem die Gesangsstimmen als Dauerrezitativ im Korsett eines symphonisch geführten Orchesters hängen. Wenn nun auf der anderen Salzachseite im Landestheater die englischsprachige Version desselben Stoffs in der Vertonung von...
