Auf dem Drahtseil

Die interessantesten Neuerscheinungen zum Rameau-Jubiläum

Opernwelt - Logo

Es ist einfach ausweglos. Castor und Pollux lieben beide Télaïre, sind einander aber mindestens ebenso zugetan. Und keiner erträgt des anderen Unglück. Das Hin und Her hat erst ein Ende, als Jupiter die Brüder als Sternbild in den Himmel schickt. In der Einspielung der australischen Kompanie Pinchgut Opera erwachen die Figuren zum Leben, zeigen sich voller Fleisch, Blut, Persönlichkeit. Dass wir bis zum Ende am Ball bleiben, liegt nicht an Perfektion. Es liegt vor allem an dem ungeheuren Engagement, mit dem alle Beteiligten bei der Sache sind.

Jeffrey Thompson etwa steigert sich in Castors Schmerz derart hinein, dass er mitunter vom Singen ins Rufen oder Schluchzen rutscht. Seine Hingabe trägt ihm in dieser haute-contre-Partie mit ihren gemeinen Hochlagen  ein paar Intonationsschwächen ein. Aber die nehmen wir in Kauf – für die kostbaren Augenblicke bewegender Emotionalität. Hadleigh Adams ist ihm ein warmherziger Pollux mit charmantem S-Fehler. Als Télaïre überzeugt Celeste Lazarenko mit glasklarem Sopran, Margaret Plummer trumpft als verschmähte Phœbé mit goldenem Timbre und ausdrucksstarken Rezitativen. Antony Walkers Orchestra of the Antipodes nimmt durch eloquente Phrasierung ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 19
von Wiebke Roloff

Weitere Beiträge
Patriotismus und Biedermeier

Metternichs Zensoren waren ihr Geld wert. Als man ihnen 1833 Albert Lortzings Vaudeville «Andreas Hofer» vorlegte, untersagten sie die Aufführung sofort. Dabei lag der Protagonist als Tiroler Volksheld mit seinem Kampf gegen die napoleonischen und bayerischen Besatzer politisch durchaus auf der Linie der Restauration – das Stück klingt nicht zufällig mit einem...

Das Experiment

Salomone Rossi (ca. 1570 bis ca. 1630), ein «Ebreo da Mantova», wirkte als Geiger, später als Kapellmeister am Hof der Gonzaga in Mantua, war also ein nur wenig jüngerer Kollege Claudio Monteverdis. Neben höchst eigenständigen Beiträgen zur frühen Instrumentalmusik ist besonders Rossis geistliche Musik für die Synagoge von Bedeutung. Durch einen rabbinischen Erlass...

Aschfahle Askese, glühende Intensität

Olivier Py hat in seiner Pariser Inszenierung Francis Poulencs Passionsspiel über den Märtyrertod der Karmeliterinnen von Compiègne während der Französischen Revolution auf seinen existenziellen Anlass und Kern reduziert: die Lebens- und Todesangst der Novizin Blanche de La Force, die sich ins Kloster flüchtet, aber auch dort nicht die Ruhe findet, die sie sucht....