Kirchenfürst und Königin
Sie muss lange in der Maske gewesen sein, um so auszusehen: wie ein glatzköpfiger Kirchenmann, das Kreuz als Banner tragend, mit durchdringendem Blick, als wolle sie einen Ungläubigen mit dem Kruzifix exorzieren oder mindestens missionieren. Vermutlich war sie sich von Anfang an darüber im Klaren, dass die Angelegenheit maximalen Einsatz und ungewöhnliche Mittel der Werbung verlangt. Mit diesem Ansatz schritt sie zu ihrer Busenfreundin, einer weithin bekannten Kriminalautorin, die in Venedig lebt und die Sache so ernst nahm, dass sie ihr einen neuen Roman widmete.
Dieses literarische Opus deckte die eine Flanke ab, auf der das Unternehmen zum Publikum startete; auf der anderen war das obligatorische Tamtam in Form von überwältigender Interessantmacherei. Es geht bei alledem um die große Mezzosopranistin Cecilia Bartoli, die Schriftstellerin Donna Leon und den hier- und dortzulande beinahe vergessenen Komponisten Agostino Steffani. Die neue Platte heißt «Mission», was auf der Bedeutungsebene alles einschließt, was einem bei gründlicher Recherche zu dieser Causa einfällt.
Steffani bedarf fraglos eines Popularitätsbrenners, eines werblichen Schubs, denn außer Experten ist er kaum ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Wolfram Goertz
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