Verdis ungekürzte Grand Opéra
Die Aufführungsgeschichte von Giuseppe Verdis Vertonung des Schiller’schen «Don Carlos» an der Wiener Staatsoper beginnt 1875 mit dem Plan des Komponisten, für die in Aussicht gestellte Erstaufführung seiner französischen «Opéra en cinq actes» eine komprimierte, in wichtigen Teilen neu komponierte Version zu erstellen, ein Vorhaben, das sich erst für die Mailänder Aufführung 1884 realisieren ließ. 1932 endlich wurde «Don Carlo» in Wien erstmals – in der Fassung von Franz Werfel und Lothar Wallerstein – gezeigt.
Gleichsam als Ausgleich für diese späte Erstaufführung kam es am 18. Oktober 2004 zu einer veritablen Uraufführung der ungekürzten vierstündigen französischen Erstfassung des «Don Carlos» in fünf Akten, wie sie Verdi 1866 in Paris eingereicht hatte und wie sie weder zur Uraufführung 1867 noch später in dieser Vollständigkeit je (ein-)gespielt wurde. Das Label Orfeo hat nun sowohl den Mitschnitt dieses Abends wie die vieraktige italienische Fassung in einer Aufführung von 1970 veröffentlicht. Ein direkter Vergleich bietet sich also an – nicht nur interpretationsgeschichtlich, sondern auch, was die Werkgestalt betrifft.
Claudio Abbado war 1984 (nach einer kaum bekannten ...
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