Hat Händel das gekannt?
Händel, mutmaßt der amerikanische Dirigent Alan Curtis im Booklet seiner Erstaufnahme von Francesco Bartolomeo Contis «David», könnte das Libretto der 1723 am Wiener Kaiserhof uraufgeführten Azione sacra gekannt haben. Unmittelbar nach der Uraufführung der auf kaiserlichen Befehl erweiterten Fassung 1724 in der Wiener Hofkirche reiste der Darsteller des Saul, der Bariton Francesco Borosini, nach London und trat in das Ensemble des Hallensers ein.
Die Zeitgenossen, berichtet auch Händel-Forscher Winton Dean, ohne Quellen zu nennen, hätten Händels «Saul» und Contis «David» miteinander verglichen. Allerdings lagen fünfzehn Jahre und über tausend Kilometer zwischen beiden Werken. War ihnen der «Vorläufer» wirklich mehr als nur dem Namen nach bekannt?
Wer die Aufnahme des Werks unter Alan Curtis nun hört, wird Schwierigkeiten haben, Ähnlichkeiten zwischen Händels barock ausladendem Oratorium von 1739 (mit pompösen Auf- und Einzügen, vielen dramatischen Chören und fantastischen Instrumenten wie dem berühmten Carillon) und der doch recht schematischen Abfolge (dürre Rezitative und kurzatmige, wenn auch lange Arien) bei Conti und seinem Librettisten Apostolo Zeno zu finden. Händel ...
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