Jetzt erst recht, gerade jetzt!
Sie hätte weggehen können. Nach Europa oder nach Südamerika. Wohin auch immer. Raus aus dem lebensgefährlichen Chaos, in das der Bürgerkrieg die Stadt und das Land gestürzt hatte. Damals, als in Beirut die Straßenkämpfe begannen. Als Scharfschützen von Dächern und aus Hochhäusern auf alles schossen, was sich bewegte. In wechselnden Koalitionen, bis niemand mehr genau wusste, wer gerade auf wen feuerte. Nur eines wusste Myrna Bustani in jenem Frühsommer vor 38 Jahren, als die Tragödie des Libanon begann: Sie würde bleiben und irgendwie durchhalten.
Das Feld nicht einfach denen überlassen, die mit Maschinengewehren, Mörsern und Handgranaten um die Macht pokerten. Und rücksichtslos zerstörten, was ihr lieb und teuer war: eine fragile, stets gefährdete, bis zum Ausbruch der blutigen Auseinandersetzungen aber nie grundsätzlich in Frage gestellte Kultur der Toleranz, die sie als Kind und als junge Frau kennengelernt hatte.
Sie ist geblieben. Auch um der Mutter beizustehen, die in Beit Mery, einer Sommerfrische 800 Meter über der rauchenden City, das Familienhotel Al Bustan führte, damals eines der besten Häuser weit und breit. Irgendwann lagen auch die Vororte an den Hängen des ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Reportage, Seite 60
von Albrecht Thiemann
Tannhäuser ist genervt. Unruhig tigert er durch den Salon der Dame Venus. Weder sie noch die tanzenden (schein-) nackten Damen und Herren, die eben noch im Bilderrahmen hinten auf der Bühne der Straßburger Opéra national du Rhin in Starrheit verharrten, können ihn auf andere Gedanken bringen: Er will da weg. Der Raum, in dem er sich immer unwohler fühlt, ist nichts...
Ausgerechnet mit einer Nachtmusik ist in Bonn die Reihe «bonn chance!» zu Grabe getragen worden. Ob das ein Zufall war? «Nocturno» von Georg Friedrich Haas setzte den Schlusspunkt unter zwanzig Jahre eines ambitionierten Programms, in dessen Rahmen zahllose Uraufführungen gestemmt wurden – darunter Werke von Adriana Hölszky, Beat Furrer, Klaus Lang, Charlotte...
Herr Beczala, das Debüt-Album bei der Deutschen Grammophon hätten Sie doch auch Ihrem polnischen Landsmann Jan Kiepura widmen können.
Sie haben Recht! Jan Kiepura ist auch heute noch für jeden Polen der Tenor schlechthin. Wenn ich die CD stattdessen Richard Tauber gewidmet habe, so meine ich damit eine ganze Reihe von Tenören der damaligen Zeit, z. B. auch Peter...
