Party am Gletscher

St. Gallen | Catalani: La Wally

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So mag man sich die Geier-Wally vorstellen. Blond, groß, eine Erscheinung; so singt Katrin Adel im schwarzen Hosenanzug vor dem Vorhang mit dem Zuschauerraum der Pariser Oper die berühmte Arie «Ebben? Ne andrò lontana» an – ohne Orchester. So mag man sich aber auch eine Primadonna vorstellen, die sich ihre Karriere erträumt. Katrin Adel ist hier beides. Sie ist (nach Mary Elizabeth Williams) die Zweitbesetzung in der St. Galler Herrichtung von Alfredo Catalanis «La Wally»: eine Sopranistin, die im Leisen klingt und auch in den dramatischen Ausbrüchen Effekt macht.

Der Klirrfaktor, das leicht Schrille in der Forte-Höhe müsste sich noch überwinden lassen. Indes, eine junge Bäuerin, die unbeugsam um ihre Liebe, ihre Selbstbestimmung und gegen die ihr aufgezwungene Heirat kämpft? Das nur, insoweit es sich mit ihrer Vision von der Operndiva deckt: eine Frau, in der Rollen- und Lebensziel in eins fallen; die sich, langes, schwarzes Abendkleid, Hermelinluxus, ins Hochgebirge begibt, als steuere sie einen Presseball an.

Und so sieht’s denn auch beim Fronleichnamsfest in Sölden aus. Partytischchen im Angesicht des allgegenwärtigen Gletschers, der Bote aus Schnals im weißen Dinner Jacket als ...

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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Heinz W. Koch

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