Erotik mit Blaskapelle
Da scheint einer Fuß zu fassen. Eine ästhetisch sehr bewusste Art, Oper zu machen, scheint in Zürich angekommen zu sein. Die Zustimmung, zumindest in den Premieren von Andreas Homokis Team, ist bemerkenswert. Das bedeutet auch: Ein stets als etwas genusssüchtig eingestuftes Publikum bewährt sich vor den Ansprüchen, die die neue Intendanz stellt. Mag sein, dass das auch daran liegt, dass Homoki bislang noch nicht mit dem Kopf durch die Wand wollte.
Auch bei seiner zweiten eigenen Inszenierung nach dem «Holländer» nicht: Dmitri Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» in der Urfassung. Die Aufführung ist in weiten Teilen brillant. Sie erzielt so manche mitreißende «Massen»-Bewegung – und das auch dank Ernst Raffelsbergers exzellentem und spielfreudigem Chor.
Kein Mühlenhof, kein Wohnhaus, keine Polizeistation, kein Waldsee: Hartmut Meyer schuf eine abstrakte Bühne mit Hintergrundaufgang – eine Bühne, die etwas Klaustrophobisches an sich hat. Keine Örtlichkeit, schon gar keine Realismus-Pusselei. Darin seltsame Riesenluken, die sich mit ebenso riesigen Kugeln verstopfen lassen. Ein angerosteter, fensterloser Wohnkasten. Wer oben draufsteht, hat das Sagen: Die Metallleiter hinauf ist ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Heinz W. Koch
Die maximal 380 Passagiere der MS Europa haben bei der Wiener Kaffeetafel ungewöhnliche Gäste: Der Wiener Kammersänger Michael Schade und eine internationale Experten-Jury stellen sich ihren Fragen. Denn auf der Fahrt von Abu Dhabi über den Oman, vier der Seychellen-Inseln, die Komoren und Madagaskar bis nach Mauritius findet auf dem leise tuckernden Urlaubsschiff...
Anfang Mai vor zehn Jahren. Wie diesmal wieder tauchen die «Weißen Nächte» Sankt Petersburg in nicht enden wollendes, strahlend hartes Sonnenlichtblau. Das Mariinsky Theater unter seinem dynamischen Chef Valery Gergiev wuchtet den ersten russischen «Ring des Nibelungen» seit Menschengedenken auf seine marode Bühne. In der nahen Akademie der Künste, am anderen...
Manche Dirigenten leisten den Mammutteil ihrer Arbeit in den Proben, setzen im Konzert sozusagen nur noch das i-Tüpfelchen auf. Nicht so Claudio Abbado. Nicht selten hat er Musiker verärgert, weil sie in den Proben einfach nicht wussten, worauf er hinauswollte, weil er nichts verriet, sie einfach spielen ließ. Aber im entscheidenden Moment setzt sich dann plötzlich...
