Short Cuts
Ein ausgebombtes Bühnenhaus. Das des Schiller Theaters vor 70 Jahren? In seinen Ruinen wollte Intendant Heinrich George «Ödipus» inszenieren, um sein Ensemble (u. a. Walter Felsenstein, Horst Caspar, Will Quadflieg) vor der Front zu bewahren. 1950 wurde es wieder aufgebaut. So lange das Stammhaus Unter den Linden saniert wird, ist nun die Berliner Staatsoper zu Gast. Katie Mitchell hatte eine andere Assoziation: Sie lässt Frank Martins zwischen 1938 und 1942 entstandenes Oratorium «Le Vin herbé» im Frankreich der Okkupation spielen.
Die britische Regisseurin hat mehr als eine Hommage an den Genius Loci im Sinn.
Wenn sich der Eiserne Vorhang hebt und der in Fetzen herabhängende Samtvorhang teilt, sehen wir zwölf schwarz gekleidete Männer und Frauen. Sie sind noch einmal davongekommen und stellen Teelichter an die Rampe. Es werde Licht. Mitchell beschwört den Urvorgang des Theaters: eine einfache, passgenaue Entsprechung für Martins homophon raunenden Prolog, der in mythische Vergangenheit hinabsteigt, um die archetypische Tristan-Sage ewig-tragischer Liebe heraufzuholen. Dabei stützt er sich nicht wie Wagner auf das modern-raffinierte Epos Gottfrieds von Straßburg, sondern auf ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Boris Kehrmann
Lateran, Forum, Kapitol: Die Schauplätze des «Rienzi» lassen sich von der römischen Oper aus erlaufen. 1969 wurde die Tribunen-Saga unter Oliviero de Fabritiis hier erstmals aufgeführt. Die zweite Inszenierung, zugleich die erste in Originalsprache, ist ein Beitrag zum Wagner-Jahr 2013. Hugo de Ana möchte Wagners Jugendwerk zu Roms «Nationaloper» machen. Ob ihm das...
Dieser Mann musste nach oben. An die Spitze einer mafiosen Gesellschaft. Trenchcoat-Machtmenschen haben ihn, den Schwächling, dazu benutzt. Anders sie. Diese Frau will nach oben, mit allen Mitteln. Viel haben Simon und Amelia demnach nicht gemein. Nicht einmal die Gene, wie Regisseur Dmitri Tcherniakov behauptet. Eine Fremde ist sie, eine falsche Tochter, die...
Auratisch gedeckte Farben, eine suggestive Sepia-Tönung von unnachahmlicher Konsonanz, dazu hinreißend elegische Bitterstoffe besaß die Stimme der englischen Mezzo-Sopranistin und Altistin Janet Baker. In den 1960er bis 80er-Jahren kam ihr eine beherrschende Stellung in der britischen Gesangsszene zu. Die Opernbühne eroberte sie mit Rollen von Purcells Dido bis zu...
