Sex'n' Error
Vor sechs Jahren schaffte es die Königliche Oper von Kopenhagen, an den internationalen BarockopernBoom anzuschließen. Dafür sorgten vor allem Lars Ulrik Mortensen mit seinem Orchester Concerto Copenhagen und Countertenor Andreas Scholl, der bei dieser Gelegenheit als Giulio Cesare seine zweite Bühnenproduktion bestritt (siehe OW 7/2002). Nun will das Haus an den Erfolg anknüpfen und hat die Weichen ähnlich gestellt. Wieder dirigiert Lars Ulrik Mortensen, und wieder entfesselt er eine stupende dynamische und agogische Bandbreite.
Was bei ihm fasziniert, ist die Balance zwischen genau ausgearbeiteten Klangvaleurs und einem großbogigen, nicht nur auf Rhythmus, sondern auf metrische Einheiten zielenden Musizieren. Wieder steht eine Händel-Oper an. Allerdings ist «Partenope» ungleich schwerer zu fassen als «Giulio Cesare». Das hat vor allem damit zu tun, dass die Stilmittel hier radikaler gemischt und hinterfragt werden. Händel komponiert melodisch-süffige Lamenti und kriegerische Kraftausbrüche. Doch gleichzeitig parodiert er all die Mittel, die ihm verschwenderisch zu Gebote stehen und die er gezielt marktpolitisch einsetzt. «Partenope» ist verkaufstüchtige Sex-and-Error-Komödie und ...
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Wer der notorischen Händel-Renaissance auf den deutschen Bühnen etwas entgegensetzen will, bekommt vom Plattenmarkt eine gute Vorlage: Besonders das französische Label Naïve hat sich um die Wiederbelebung des italienischen Barockmeisters Antonio Vivaldi verdient gemacht und hochgelobte Gesamtaufnahmen vorgelegt, Sängerinnen wie Cecilia Bartoli oder Simone Kermes...
Zwei Stücke aus der Hohen Messe, zwei aus der Johannes-, drei aus der Matthäus-Passion, eine Handvoll Kantaten-Arien: David Daniels’ Bach-Recital «Sacred Arias & Cantatas» ist gewöhnungsbedürftig. Vor allem, weil die Dramaturgie der CD Fragen aufwirft. Auf das kontemplative «Qui sedes» folgt das «Agnus Dei», dessen g-moll-Depression keinen Sinn macht ohne den...
Ihren größten Trumpf spart sich Joyce DiDonato ganz bis zum Schluss auf: Mit Dejaniras Wahnsinnszene «Where shall I fly» aus dem Oratorium «Hercules» schließt sie ihr erstes Solorecital bei Virgin ab. Eine kluge Entscheidung, denn in dieser Partie ist die Amerikanerin tatsächlich konkurrenzlos: Dass die gattenmordende Königin nach ihrer eigenen Einschätzung der...
