Zurück nach St. Petersburg, ab ins Irrenhaus

Gerhard Rohde über Peter Steins und Kirill Petrenkos tief ausgelotete «Pique Dame» in Lyon und Arnaud Bernards Psycho-Produktion in Toulouse

Opernwelt - Logo

Den Eigenwilligkeiten des ­modernen Regietheaters, die längst auch die Oper überfallen haben, bieten hier und da Gegenkräfte die Stirn. Eine dieser Gegenkräfte trägt den Namen Peter Stein. Die einstige Lichtfigur des deutschen Schauspiels, mit der sich der inzwischen verblasste Ruhm der Berliner Schaubühne verband, beharrt für die Oper auf dem, was man gemeinhin Werktreue nennt. Stein lehnt es ab, einer Oper eine Interpreta­tion gewaltsam aufzu­pfropfen, was man dann gern als Aktualisierung ausgibt.


Drei signifikante Beispiele für Steins Regiekunst auf der Opernbühne bot in den letzten Spielzeiten die Opéra de Lyon. Dort in­szenierte er die drei Puschkin-Titel Tschaikowskys: «Mazeppa», «Eugen One­gin» und jetzt zum Abschluss «Pique Dame». Tendierte «Mazeppa» durch einen bemühten Historismus unfreiwillig zum Opernschinken, überzeugte «Eugen Onegin» umso mehr durch eine differenzierte, sensible Personengestaltung, die das seelische Quidproquo der Figuren aus der Psychologie jener Zeit ableitete, in der die Handlung spielt.
In Prinzip folgt Steins «Pique Dame» der vorangegangenen Arbeit. Auch hier wieder in Kostüm und Bildern ein genau gezeichnetes Gesellschaftsbild, das nicht pingelig ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Gerhard Rohde

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ein Fest für Claudio

Die große Drehtür am Basler Theater ist gesperrt, die gesamte Glasfront mit schwarzen Vorhängen verhüllt – das Foyer betritt man an diesem Premierenabend durch einen Seiteneingang. An den Wänden hängen bodenlange Ketten mit runden Spiegelplättchen, die breite Treppe zum ersten Rang ist mit einem roten Teppich ausgelegt. Da steht man nun und staunt, redet und...

Junge Oper, ganz neu

Mike Svobodas «Der unglaubliche Spotz» in Freiburg

«Gleich beginnt die Oper. Bitte nehmen Sie Ihre Plätze ein», flüstert es durch die Lautsprecher im Werkraum des Freiburger Theaters. Einige Grundschulklassen sind an diesem Morgen mit ihren Lehrern zur Aufführung von Mike Svobodas Kinderoper «Der unglaubliche Spotz» gekommen – und vieles ist anders als sonst im...

Emotionen ohne Aggressivität

Das Medium CD wird mehr und mehr ein Medium für Hobbybastler. Wer die Neuaufnahme von Händels «Riccardo Primo» zur Hand nimmt, findet kein Libretto im Booklet, sondern nur den Hinweis, dass sich der Text auf CD 1 im PDF-Format abrufen lasse. Nun denn. Der Ausdruck lässt sich in schmu­cken Ordnern abheften oder aber mühsam mit einer Schere bearbeiten, bis man das...