All die Leiden

Mozart: Idomeneo Basel / Theater

Opernwelt - Logo

Man kann den Mozart ändern, wenn man ihn ändern kann. Brechts auf Shakespeare gemünztes Diktum konnte einem beim neuen Basler «Idomeneo» in den Sinn kommen. Freilich wird dort zunächst nicht geändert, sondern hinzugefügt: die Video-Beiträge des auch an der Ausstattung beteiligten Falko Herold. Schon während der Ouvertüre der imaginierte Kriegsverlauf: Puppen, übergroße Münder und Augen, vor Schreck aufgerissen, archaisch wirkend und ins Hochexpressio­nistische verzerrt. Stumme Schreie. Das ist eindrucksvoll gemacht, stört aber auch. Und: Es bedrängt die Musik.

Andrea Marcon, erstmals mit Mozart befasst, und sein La Cetra Barockorchester Basel begegnen der dominanten Optik auf die ­delikateste, feingliedrigste Art, schwebend oft. Gleichwohl dürfte sich die Tonspur nachdrück­licher ins Bühnenspiel einmischen, es beherzter vorantreiben, mehr dramatische Impulse entwickeln. Ein Musizieren, historisch bewandert, aber allzu diskret.

Der Video-Anteil bestimmt die Szene auch weiterhin. Und nicht nur, wenn Strahlen wie ein rasender Wirbel Idomeneos Kopf umkreisen und bei seiner Arie «Fuor del mar» ein Totenhaupt auf sein Ende vorausweist, spiegelt die Filmparallele das desaströse Innere der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Heinz W. Koch

Weitere Beiträge
Sinn, Sinnlichkeit, Slapstick

Humor, Witz, Spaß – mit dem Komischen tut sich die Musikavantgarde meist schwer. Lacher sind nur erlaubt, wenn sie im Halse stecken bleiben. Wenn sie schwarz klingen, schwer, verquer. Dada war gestern. Der heilige Ernst strukturellen Denkens, so scheint es, schluckt allzu oft die Lust auf intelligenten Schabernack. Experiment und heiterer Esprit, Komplexität und...

Zittern, hoffen, zagen

Sechs Opernpremieren hat das Tschechische Nationaltheater Prag für die kommende Spielzeit angekündigt: Im Stammhaus an der Moldau etwa soll es Ende Oktober einen neuen «Simon Boccanegra» geben – David Pountney überarbeitet seine alte Inszenierung von der Welsh National Opera (1997), am Pult steht Jaroslav Kyzlink, seit 2012 «Chefdirigent der Tschechischen...

Totgesagte leben länger

Es gibt sie noch in New York, eine Musiktheaterszene jenseits der übermächtigen Met. Auch wenn den kleineren Truppen der Wind im Zuge der Spekulations- und Schuldenkrise scharf ins Gesicht bläst und manchmal der Eindruck entsteht, dass es ums nackte Überleben geht, sorgen sie immer wieder für Überraschungen – mit ungewöhnlichem Repertoire, frischen Stimmen und...