Berg: Wozzeck

Flensburg

Opernwelt - Logo

In der Szene beim Doktor hängt der Titelheld an demselben Schlachterhaken, an dem zuvor eine tote Sau gebaumelt hat. Will sagen: Wozzeck ist ein armes Schwein – so, auf den drastischen Punkt gebracht, lautet die metaphorisch verbrämte Aussage des Regie führenden Flensburger Operndirektors Jan-Richard Kehl. Und so schickt er seinen Wozzeck denn auch durch die weitere Handlung, mit blutbespritzter Gummischürze, umgeben von grotesken, skurrilen Typen, die ihm mit Unverständnis begegnen und deren abweisende Haltung ihn schließlich zum Mord und in den Tablettentod treibt.

Eine konsequente, trotz einzelner Abweichungen vom Original stets nah am Sinn des Stücks bleibende Inszenierung, die sich abspielt in einem abstrakten, von rechtwinklig zueinander angeordneten Laufstegen bestimmten Bühnenbild (Paul Zoller).
Man ist betroffen – sowohl vom Bühnengeschehen wie auch von der musikalischen Ausdeutung der Partitur durch Flensburgs neuen, jungen GMD Mihkel Kütson, der die Schwierigkeiten mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit meis­tert. Die zahlreichen kammermusikalischen Instrumentalpassagen werden sensibel ausgeleuchtet, die orchestralen Aufgipfelungen kraftvoll, aber ohne Bombastik ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2007
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 47
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Erinnerung, bestätigt

Zwar ist die elektromagnetische Aufzeichnung der schärfste Feind nostalgischer Verklärung. Doch gelegentlich vermag sie die Erinnerung auch zu bestätigen. Etwa im Fall der Live-Aufnahme von Webers «Frei­schütz» vor 35 Jahren an der Wiener Staatsoper. Der 28. Mai 1972 war einer jener Abende, von denen man seinen Enkelkindern berichten möchte. Erstmals stand Webers...

Die Natürlichkeit des Artifiziellen

Dass Mozarts Königin der Nacht als Angelegenheit für Spezialistinnen gilt, hat die Partie auch in Verruf gebracht. Denn zum einen können Koloratursopranistinnen allzu leicht darauf festgelegt werden, zum anderen ­passt oft das chinesische Märchenbild der mechanischen Nachtigall: koloraturgewandt, doch ohne Eigenpersönlichkeit. Diana Damrau ist längst zur...

Beschaulicher Wahnsinn

Dass die amerikanische Regisseurin Mary Zimmerman vor ihrem Debüt an der Met noch nie eine Oper inszeniert hatte, spricht nicht unbedingt gegen sie. Ob ihre bisherige Arbeit mit Schauspielern oder ein siebter Sinn fürs Theater sie auch für das Musiktheater befähigt, steht auf einem anderen Blatt. Nach «Lucia di Lammermoor» muss man sagen: Sie ist diesen Ansprüchen...