Es muss nicht immer Händel sein

Philippe Jaroussky auf den Spuren des Kastraten Carestini

Opernwelt - Logo

Giovanni Carestini (1700-1760) verfügte, wie Zeitgenossen berichteten, nicht nur über einen traumhaft schönen Sopran von einzigartiger Kultur und Reinheit. Der Kas­trat war auch ein leidenschaftlicher Schauspieler voll szenischer Fantasie und Ambi­tion. Seine Verkörperungen rührten das Pub­likum zu Tränen. Das dürfte den Countertenor Philippe Jaroussky gereizt haben, dem Geheimnis des großen Rivalen Farinellis anhand seiner Paraderollen nachzugehen.
Zwölf Arien aus neun für ihn komponierten Opern zwischen 1725 und 1752 enthält «Carestini – The Story of a Castrato».

Das Programm folgt einer ebenso einfachen wie wirkungsvollen Dramaturgie: Auf eine Bravour-Arie folgt jeweils ein langsames Stück. Dadurch wird die enorme gestalterische Spannweite des Kastraten in vielen Nuancen nacherlebbar. Man hat aber auch den Eindruck, dass Jaroussky auf den Spuren seines Vorbildes zu einem Gestalter ganz großen Formats wächst. Staunenswert ist die Leichtigkeit und Präzision auch rasantester Koloraturen gleich zu Beginn in der Trompeten-Arie aus Nicola Porporas
«Siface». Im träumerischen B-Teil ist der Ton voll verführerischer Süße und Seele. Hinreißend das schmel­zende messa di voce, das langsame ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2008
Rubrik: CDs, Seite 70
von Boris Kehrmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gefühl ist alles

Sie hat Lorenzo da Ponte persönlich gekannt und erlebte noch die Ära von Claude Debussy und Richard Strauss. Pauline Viardot (1821-1910), Tochter von Manuel García und jüngere Schwester von Maria Malibran, war nicht nur eine epochale Sängerin, sondern auch eine wache und wichtige Zeugin ihres Jahrhunderts. Während ihrer aktiven Zeit rissen sich die großen...

Blanke Busen, wackelnde Hintern

Wenn große Opernhäuser sich der Operette widmen, darf man Besonderes erwarten. Denn der Einsatz vokaler und orchestraler Veredelungsmittel impliziert zugleich den Anspruch, den Stücken einen Erkenntnisgewinn über den puren Unterhaltungswert hinaus abzuverlangen. An der Dresdner Semperoper war das zuletzt mit Emmerich Kalmans von Peter Konwitschny in die...

Rolle des Lebens

Die Wiederkehr von Jacques Fromental Halévys «La Juive» auf die internationale Opernszene ist untrennbar mit dem Namen Neil Shicoff verbunden. Der amerika­nische Tenor hat den Eléazar erstmals 1999 in Wien gesungen und die Rolle des zwischen der Liebe zu seiner Ziehtochter Rachel und dem Hass auf die Christen zerrissenen Juden seither an vielen großen Opernbühnen...