Erbstück, aufgemöbelt
Franco Zeffirellis «Carmen»-Inszenierung aufs Korn zu nehmen, ist wie aufs Rote Kreuz zu schießen. Seit die Produktion 1995 herauskam, hat sie mit ihrer läppischen Betriebsamkeit – es treten lebende Tiere, Flamencotänzer, Toreros und jede Menge buntes Volk auf – immer wieder für spöttische Bemerkungen (nicht nur der Kritik) gesorgt. Vor der handwerklichen Professionalität, mit der diese wunderliche Theatermaschine läuft, sollte man indes den Hut ziehen.
Und doch wirkt das Ganze mit seinem «authentischen» Kostümplunder und einem Kulissenzauber, der riesige 3-D-Landschaften vorgaukelt, wie Pseudokino, wie eine Disney-Version des Stücks. Andererseits: Auf der gewaltigen, 46 Meter breiten Bühne und den «natürlichen» Stufen und Gewölben der antiken Arena geht, das muss man der Fairness halber zugeben, Zeffirellis Konzept gut auf (Bizet hatte «Carmen» freilich für die unvergleichlich intimere Opéra Comique in Paris gedacht). Man denke nur an das Schwindel erregende Gewusel im ersten Akt: Da ist an bis zu zehn verschiedenen Orten gleichzeitig etwas los, es geht die Treppen rauf und runter, auch nach dem x-ten Besuch hat man noch nicht alles gesehen.
In gewisser Weise hat Zeffirelli den ...
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Feinste Nuancen, souverän modelliert. Und doch schwingt der Drive der Bizet’schen Hit-Nummern ungebremst aus. Die bukolischen Klänge zu Beginn der Schmugglerszene hoch in den Bergen zum Beispiel sind von erlesener Delikatesse. Selbst das emotional explodierende, heftige Ende kommt gestochen scharf, ohne jede grelle Drastik. Erst recht ohne bruitistische Gewalt....
Erinnern wir uns. Erinnern wir uns an Helsinki, September 2004. An das Meer, das auf unerklärliche Weise den Weg auf die Bühne der Finnischen Nationaloper genommen hatte, und an diesen transparenten, weiß und schwarz schimmernden Nachen, wie von Lohengrin ersonnen, aber nicht von ihm gezogen, darin ein Mann den Weg zur fernen, ja unsterblichen Geliebten suchte und...
Wenn die Nachricht stimmt, ist es eine gute: Kirill Petrenko soll den Bayreuther «Ring» zum Jubiläumsjahr 2013 dirigieren. Das sagt mehr, als die beiden Halbschwestern, die die Festspiele in diesem Sommer erstmals leiten, sonst im Moment sagen wollen und können. Es bedeutet nämlich, dass Bayreuth bis 2015 glänzend aufgestellt ist, was die Dirigenten betrifft. Die...
