Schwirren, Glitzern, Schwitzen
Musik von der schweren Süße alten Parfüms aus den geschliffenen Flakons unserer Urgroßmütter: Mit Franz Schrekers Künstler- und Sehnsuchtsdrama «Der ferne Klang», 1912 in Frankfurt uraufgeführt und vor 91 Jahren in Graz zur österreichischen Erstaufführung gebracht, eröffnete die Grazer Oper ihre neue Spielzeit. Großer Jubel am Schluss. Endlich wieder Erfolg für ein vermeintlich verkanntes Stück?
Problemfall Schreker. Sein Stern begann bereits zu sinken, bevor die mörderische braune Kunstpolitik seiner habhaft wurde. Theodor W.
Adorno sah das Verhängnis in einer Naivität, die dem Komponisten zunächst ausladenden Elan verliehen, der letztlich aber die Kraft zur Kontrolle gefehlt habe. In der Tat gefiel Schreker sich in der Künstlerpose des genialisch Unangreifbaren, die immer auch pubertäre Züge trägt. Adorno nannte ihn einen «Atelierkünstler» in der «Verbindung von Kostümfest und Professoralem». Und der Verweis auf Gemeinsamkeiten von Schrekers Musik mit der Malerei des Sezessionismus zielt wohl nicht daneben.
Schon als Knabe hatte der Komponist dem Nachzittern der Klänge am Klavier gelauscht. Klang als Integral aller Teilaspekte der Musik blieb das konstitutive Element seiner ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Persché
Mit szenischen Glanzleistungen haben die Moskauer Opernhäuser ihr Publikum in der vergangenen Spielzeit zwar nicht verwöhnt – es gab wenig Neues und kaum Extremes zu sehen –, doch musikalisch lohnte mancher Abend den Gang ins Theater. Tugan Sokhiev etwa gab mit einer konzertanten Aufführung von Tschaikowskys «Jungfrau von Orléans» seinen Einstand als Musikchef des...
Irgendwann trägt Bjørn Waag beim Singen Federschmuck. Geht es denn hier um Indianer? Von Zyklon B und vom Vergasen ist doch – als Plauderei beim Federball – die Rede. Der Name Lili Tofler fällt. Politischer Häftling war sie – im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Aber schon im Text von Peter Weiss, der auf den Protokollen des Frankfurter Auschwitz-Prozesses von...
Weißkühl und zugig ist die Bühne, die Henrik Ahr für die Düsseldorfer «Arabella» entworfen hat. Ohne Raum zum Rückzug, Winkel für Vertraulichkeiten. Im Gegenteil: Die hintere Wand bilden zwei portalhohe, zusammen bühnenbreite Drehtüren, durch die immerfort einer hineingeweht oder hinausgeblasen wird. Ein solcher Ort lässt sich unmöglich kontrollieren; diese...
