Vier Tenöre, viele Ziegen
Es ist geschafft. Die Festspiele in Pesaro haben alle 38 überlieferten Rossini-Opern vorgestellt – die 1813 für die Mailänder Scala komponierte Seria «Aureliano in Palmira» war die letzte (sieht man von dem Pasticcio «Eduardo e Cristina» ab). Die Wiederentdeckung dieses Œuvres für die Bühne ging nicht nur mit der Herkulesaufgabe einer historisch-kritischen Edition einher, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Von dem Städtchen an der Adria aus eroberten auch viele dieser weitgehend vergessenen, oft aus Unkenntnis übel beleumundeten Werke die Theater der Welt.
Pesaro steht für eine Rossini-Renaissance. Eine Neubewertung des Komponisten, die nicht nur Musikologenplaisier blieb, sondern auch massiv in die Repertoirepraxis ausstrahlt.
Das nicht zuletzt deshalb, weil das Festival stilbildend für den Umgang mit Belcanto-Repertoire wirkte. Zunächst versammelte man hier die (meistenteils amerikanischen) Vokalmeister des Ziergesangs, später gab die von Alberto Zedda geleitete Rossini-Akademie jungen Sängern den letzten Schliff. Karrieren wie die von Juan Diego Flórez, Joyce DiDonato, Olga Peretyatko, Antonino Siragusa oder Michael Spyres nahmen hier ihren Anfang. So sind wir heute in der ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Manuel Brug
Dass die Ordnung der Dinge ins Wanken und das Leben aus den Fugen geraten kann; dass man sich manchmal neu erfinden muss, ohne einen Schimmer, was dabei herauskommt – solche Erkenntnisse gehören zwischen Dortmund und Duisburg längst zum Alltagswissen. Das ehemalige Kohle- und Stahlrevier, bis in die 1970er-Jahre smogverhangenes und lautstark hämmerndes Herz der...
Auch informierte Historiker hätten wohl nicht mit dem Interesse gerechnet, das der Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren in Deutschland – wo das mahnende Gedenken an den Zweiten eine viel größere Rolle spielt – bei Medien und Publikum auslöste: Die alten und neuen Bücher zum Thema stapeln sich, Fernsehreihen, Ausstellungen, ja selbst Comics pointieren...
Krishna kriegt den meisten Applaus. Er singt Bass und hat als solcher nicht viel zu tun. Aber aussehen tut er fantastisch: ein schöner, goldener Gott mit vier Armen, Flöte und Fingern, die Symbole in die Luft malen. Gandhi singt Tenor, eine hohe, helle Stimme. Auch er kriegt viel Applaus. Mild und leise, wie er lächelt, kann es sich nur um einen Visionär handeln....
