Wonnemond im Wüstenland
Sehen kann man noch nicht viel. Ja, irgendwo dort hinten in der mit Hitze vollgesogenen Luft und flirrendem Staubnebel beginnt die Brücke nach Saadiyat Island. Dort soll in den nächsten Jahren eine Insel des kulturellen Glücks wachsen. Die Brückenpfeiler stehen bereits; dahinter türmen sich Dutzende von Baukränen. Irgendwie schauert man bei diesem Blick von einem der Hochhäuser in Abu Dhabis schicker Downtown. Es ist ein Blick in die Zukunft – und es ist einer in die Hölle.
Denn dort draußen, wo Sandberge versetzt und Betonfundamente gewuchtet werden, wo kein Quadratmeter so bleibt, wie er war, kann die Temperatur auf über fünfzig Grad steigen. Wer jetzt dort arbeitet, gehört im reichsten Emirat am arabischen Golf mit Sicherheit zu den Ärmsten.
Ein paar Kilometer weiter südwestlich im Emirates Palace (geschätzte Baukosten: 2,3 Milliarden Dollar) genießen die Reichsten der Reichen auf acht Etagen einen Sieben-Sterne-Komfort. Zur Kühlung des Lunchbuffets drehen sich langsam schmelzende Eisfigurinen. Im Hintergrund sitzt eine Harfenistin zwischen arabischen Teekochern, die ihr Instrument überragen, und fingert Barockes. Eine mittlere Suite hat 165 Quadratmeter, Concierge inklusive. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Leipziger Opernsaison beginnt mit einem Knalleffekt. Schmetternde Türen und aggressive Buhs lassen die Wände zittern, das Gewandhausorchester mit Leopold Hager am Pult und die Solisten ertrinken im Lärm. Was ist passiert? Ein 29-jähriger Regisseur, Michael von zur Mühlen, hat seine Chance, an einem großen Haus zu inszenieren, in den Sand gesetzt. Sein...
Draußen duften während der Pausen Bratwürste, und gegen Abend wird es ein bisschen nasskühl. Der oberfränkische Hügel muss also irgendwie ganz nah sein. Drinnen läuft Richard Wagner, inszeniert von Katharina Wagner, und wenn es nach dem medialen Aufgebot geht, das diese Premiere begleitet, dann ist Bayreuth wirklich nicht weit entfernt. Außerdem sind natürlich...
Unerschütterlich steht das Monument Olivier Messiaens inmitten der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Der vor 100 Jahren – am 10. Dezember 1908 – in Avignon geborene Komponist steht vom Alter her zwischen den prägenden Persönlichkeiten der Moderne: Schönberg und Strawinsky in der einen, Boulez und Stockhausen in der anderen Generation. Die beiden Letztgenannten...
