Das Klirren der Teetassen
Joseph Haydn schien mit seinen Lebens- und Schaffensumständen nach außen hin stets d’accord; ein «Homo politicus» war er wohl nie. Hanns Eisler umso mehr; im Gespräch mit Hans Bunge tadelte er denn auch das «zurückgebliebene gesellschaftliche Verhalten» mancher Musiktitanen. «Selbst bei dem größten Musiker der Menschheitsgeschichte, bei Mozart, ist noch das Klirren der Teetassen und der Teller beim Menü der Adeligen mitkomponiert, von Haydn gar nicht zu reden...
» Dass solche Haltungen aus früheren Zeiten von den Musikern heute kritiklos übernommen würden, erzeuge «eine ganz merkwürdige Art vonIdiotie und Dummheit in der Musik». Solche Attacken, aus einer Haltung geboren, die jedes Verharren von Musik im ästhetischen Überbau verdammte, scheinen heute politisch einäugig – und doch im Zusammenhang mit Auswüchsen diverser Jubelveranstaltungen so falsch wieder nicht. Manche Entgleisung anlässlich des Mozart-Jahrs ist noch in frischer Erinnerung.
Zwar bietet man nun in Eisenstadt auch einen Haydn-Likör an (der im Geschmack ein wenig an Baileys erinnert). Doch halten sich Exzesse der erwähnten Art bei Joseph Haydn, der nie auf eine so fatal triviale Weise populär war wie Mozart, in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Krisen nähren Utopien. Nicht wenige träumen wieder von einer gerechteren und menschlicheren Gesellschaft. Der amerikanische Präsident denkt laut über eine atomwaffenfreie Welt nach – Thomas Morus grüßt aus der Ferne. Was macht da ein Regisseur mit der Utopie von Erlösung durch Mitleid, wie sie Richard Wagner in seinem «Parsifal» formuliert hat? Zumal dann, wenn er,...
Nirgendwo in Deutschland ist die Infrastruktur für zeitgenössisches Musiktheater so dicht wie in Nordrhein-Westfalen. Neben den zahlreichen Theatern im Land sorgen gleich zwei öffentliche Fonds für Rückenwind (siehe Interview). Und was auf dem Papier vielleicht ein wenig nach bürokratischer Gremienwirtschaft aussieht, erweist sich bei näherer Betrachtung als...
«Das Leben ist kein Wartesaal», seufzt der schöne Bariton, der im richtigen Leben Sebastian Geyer heißt und an diesem Abend wechselweise Monsieur Juste und Arthur de St. Barbe darstellt. Recht hat er, denn ihm hat das Warten rein gar nichts genützt. Zwar ist ihm auf der Jagd glatt eine Fee in die Falle gegangen, die ihm drei Wünsche erfüllen wollte, wenn er sie nur...
