Bolzenschuss
Giacomo Puccinis «Tosca» gehört zu den ziemlich unverwüstlichen Opern, überlebt Regiequark und szenische Monstrositäten, egal ob Zeffirelli oder einen Ben-Willikens-Betonbunker, stimmt nur die Besetzung und waltet im Graben ein Dirigent mit Theaterblut. Zutaten, mit denen sich Repertoireaufführungen, aber auch Festspiele bestreiten lassen. In Baden-Baden haben die Berliner Philharmoniker im fünften Jahr Osterresidenz genommen. Vor 29 Jahren hat das Orchester zuletzt «Tosca» gespielt, unter Karajan war’s, auch bei Osterfestspielen, den originalen damals in Salzburg.
Es müssen traurig-matte Abende gewesen sein, selbst die Rezension von Joachim Kaiser war mit «todlangweilig» betitelt. Was der Kritiker wohl zur «Tosca» von Simon Rattle, seiner ersten, gesagt hätte?
Manchmal entscheidet eine Fermatenpause über das Ganze: in diesem Fall zu Beginn die Zäsur, welche die Scarpia-Akkorde von Angelottis Fluchtmusik trennt. In der kompositorischen Konzeption ein Gedankensprung, nach späterer ästhetischer Kategorie ein Filmschnitt, mehr nicht. Rattle hält inne, stoppt den Energiestrom, setzt nach dem Andante molto sostenuto für das Vivacissimo non violenza neu an. Das unterminiert den ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Götz Thieme
Das Bild Neda Agha-Soltans, die bei einer Demonstration im Juni 2009 in Teheran starb, wurde zur Ikone der «Grünen Revolution». Der aus dem Iran stammende Komponist Nader Mashayekhi machte die von Milizen erschossene Studentin zur Titelgestalt seiner Oper «Neda – der Ruf», die – 2010 am Theater Osnabrück uraufgeführt – nun am Pfalztheater Kaiserslautern ihre...
Endlich hat die Met ihren schwergängigen, vom Publikum indes heißgeliebten «Rosenkavalier» von 1969 in den Ruhestand geschickt. Fortan wird er in jener raffinierten, oft geschäftigen Inszenierung gegeben, die Robert Carsen Ende letzten Jahres an Covent Garden herausbrachte. Paul Steinberg lieferte dazu die im Stil der Sezession gehaltenen, nicht immer attraktiven...
Vor 200 Jahren erregte der Schweizer Musikpublizist und -verleger Hans Georg Nägeli einiges Ärgernis. Hatte er es doch gewagt, den großen Mozart zu kritisieren: Ausgerechnet dem «Götterliebling», dem «Raffael der Musik» attestierte er nämlich «Unreinheit», ja «widerwärtige Styllosigkeit». In einer Zeit, in der man von Mozart noch nicht allzuviel kannte, in ihm...
