Gepflegter Führungsstil

Nizza, Puccini: Tosca

Opernwelt - Logo

Nein, Claus Guths Salzburger Inszenierung von Mozarts «Figaro» habe er nicht gesehen, beteuert Paul-Emile Fourny. Und damit natürlich auch nicht jenen Cherubin, der bei Guth schweigend durch den Salon des Alma­viva’schen Herrenhauses geistert. Die drei Engel, die der Intendant der Opéra de Nice nun für eine neue «Tosca» aufbietet, habe Ausstatter Louis Désiré ins Spiel gebracht.

So verfolgen in dem direkt an der Strandpromenade gelegenen 1000-Plätze-Haus drei stumme Doppelgänger das Beziehungsdreieck Cavaradossi-Tosca-Scarpia, blicken bedeutungsschwanger aus Kirche, Palazzo und Engelsburg. Doch dass ihre Gegenwart dem veristischen Melodram eine traumverlorene, surreale, gar metaphysische Note verliehen, wird man kaum behaupten können.
Von der ersten Szene in Sant’Andrea bis zur finalen Tragödie auf den Stufen des Castello sind diese Schattenwesen nicht mehr als dekoratives  Additiv. Auf die ­libidinösen Energien jedenfalls, die die Protagonisten treiben und an denen sie zugrunde gehen, wirft das schemenhafte Trio kein neues Licht. Auch die Führung der zentralen Figuren hält sich an die Konvention, wirkt harmlos in ihrem Vertrauen auf das gestische Standardrepertoire der alten Tante ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2008
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Konstruierte Dramatik

«Wir lieben und ehren dich als den jüngeren, aber großen Bruder von Bruckner und Mahler», rief der junge Henze dem früh Verstorbenen 1963 liebevoll-ironisch nach. Karl Amadeus Hartmann, in bitterer «innerer Emigration» in Nazi-Deutschland verblieben, war nach Kriegsende ein nicht wegzudenkender Teil des jungen bundesdeutschen Musiklebens – als Lehrer, als Freund,...

Große Sänger, kleine Schwächen

Die niederländische Sopranistin Gré Brouwenstijn (1915-1999) war einige Jahre lang eine wichtige Säule der Bayreuther Festspiele, in ihrer Heimat und in England hat man sie besonders als Verdi-Interpretin geschätzt. Der größte Teil ihrer von der Firma Philips produzierten Aufnahmen wurde im CD-Zeitalter nicht mehr aufgelegt. Preiser hat nun einige Einzeltitel zu...

Seraphischer Gesang

In den siebziger Jahren wurde Stefano Landis «Il Sant‘ Alessio» kurzzeitig der Vergessenheit entrissen. Bei den Salzburger Festspielen 1977 sah man eine pompöse Inszenierung August Everdings in den Bühnenbildern Jean-Pierre Ponnelles, die die eher schlichte Heiligen­legende theatralisch erschlug, zumal auch die musika­lische Fassung von Hans Ludwig Hirsch sich...