Die Avantgarde lebt
«Erst auf Brünnhildes inbrünstiges Flehen mildert Wotan seinen Spruch. Das Wasser teilt sich und gibt einen Durchgang frei.» Das rote LED-Laufband auf dem Portikus des Aachener Stadttheaters lockt Passanten an. Nach Zufallsprinzip hat Volker Straebel Sätze aus Opern-Inhaltsangaben ausgewählt und nebeneinander gestellt. Das Theater der Kaiserstadt wagt sich als drittes Haus nach Frankfurt (1987) und Hannover (2001) an John Cages «Europeras». Das Ergebnis ist ein dreistündiges Happening, das «Europeras» wirklich zu «Your Operas» macht.
Cage hat alle Elemente einer traditionellen Opernaufführung – Sänger, Instrumentalstimmen, Tanz, Bühnenbild, Kostüm, Licht, Inszenierung, Programmheft – auseinander dividiert und für die Frankfurter Uraufführung auf der Basis von vierundsechzig Repertoire-Werken von Gluck bis Puccini nach Zufallsverfahren neu collagiert. Die Aachener Fassung von Volker Straebel geht anders als Hannover auf die Uridee Cages zurück, «Europeras» ganz aus dem Repertoire des aufführenden Hauses zu entwickeln. Dafür wurden in einem gigantischen Kraftakt für alle Elemente der Aufführung getreu dem Verfahren Cages und unter Verwendung seines Computer-Programms neue Stimmen ...
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«Orlando» wurde am 20. August 1720 im Privattheater des Prinzen von Torella in Neapel uraufgeführt. Das Besondere an dieser Premiere: Die Titelpartie sang ein damals noch unbekannter Sänger, der später als Farinelli Weltruhm erlangen sollte. Er war Schüler des Komponisten Nicola Porpora. Dieser war damals vierunddreißig Jahre jung und hatte bereits sieben Opern...
Die Expansion des DVD-Marktes hat bei den großen Opernhäusern (und nicht nur bei den großen) einen oftmals wenig selbstkritischen Veröffentlichungseifer freigesetzt. Da wird manches für die Ewigkeit konserviert, was den Ruhm des Instituts nicht mehrt, vielmehr dazu angetan ist, gewachsene Legenden zu zerstören.
Drastisches Beispiel: Die Mailänder Scala und ihre...
Man könnte sie als eine Ikone des «Musiktheaters» bezeichnen: Als 1961 der Bremer Schünemann-Verlag den berühmt gewordenen Band dieses Titels herausgab, entschieden sich dessen Verfasser, Siegfried Melchinger und Walter Felsenstein, für ein Titelbild mit dem Foto von Melitta Muszely als Violetta. Und unterstrichen damit die Bedeutung, die von dieser Sängerin für...
