Akustische Bühne
Dass Orffs Version von Sophokles’ Trauerspiel «Oedipus» in der Übersetzung Friedrich Hölderlins einen spannenden Theaterabend trägt, hat eindrucksvoll John Dews Darmstädter Inszenierung bewiesen, die inzwischen auch auf DVD vorliegt (siehe OW 1/2007 bzw. 12/2011).
Die asketische Reduktion des Werks, dem man bei seiner Stuttgarter Uraufführung 1959 Mangel an musikalischer Substanz vorwarf, kann auch beim bloßen Hören fesseln – das ist die überraschende Erfahrung einer 1961 vom NDR unter der Leitung des kurz danach verstorbenen Winfried Zillig aufgenommenen Funkproduktion, die jetzt – wohl hauptsächlich dank der Mitwirkung von Martha Mödl – erstmals auf CD vorliegt. Dabei ist Mödl die Einzige, die mit überzogen theatralischem Pathos aus der verinnerlichten Konzentration des Spiels auf das Wort ausbricht. Zillig und die übrigen Mitwirkenden – allen voran Helmut Melchert in der Titelrolle – orientieren sich weniger an der Oper als an der akustischen Bühne des Hörspiels. Allein schon der starke Anteil des gesprochenen und nicht durch Rhythmus und Klang überhöhten Worts in Orffs Einrichtung rechtfertigt dies Vorgehen, das zu einer Differenzierung der Artikulation gerade auch in den ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Uwe Schweikert
Es war sicher nicht nur Bewunderung, die Richard Wagner für Gaspare Spontini hegte. Man spürt auch leise Ironie, wenn der Sachse in seinen Erinnerungen «Mein Leben» von den Begegnungen mit dem fast vier Jahrzehnte älteren Star des Opernbetriebs aus Italien spricht – der Erfolg der anderen war ihm nicht selten suspekt.
Dem Erfolg jedoch sollte keine Nachhaltigkeit...
Mit Franchettis «Germania» und Gnecchis «Cassandra» hat Kirsten Harms an der Deutschen Oper Berlin auf den hierzulande kaum bekannten «Wagnerismo» aufmerksam gemacht, der sich in Italien der Generation der um 1870 geborenen Künstler bemächtigte. Noch bis 8. April zeigt der Palazzo Fortuny in Venedig eine Schau, die das Phänomen in der italienischen Bildenden Kunst...
«Das Liebesverbot»
Es ist ein altes Wortspiel, das auch Patrice Chéreau gern benutzt. Doch nun verbindet sich damit plötzlich Realität. Sowohl in Bayreuth wie in Beirut wird in diesem Jahr Wagners Frühwerk «Das Liebesverbot» gespielt. Ein Besuch beim Al Bustan Festival im Libanon
Lyon
Das französische Opernhaus hat unter der Leitung von Serge Dorny immer wieder durch...
