Himmelwärts
Worte nützen gar nichts. Auch das verzückte Gesicht des jungen Dirigenten bleibt wirkungslos. Das Hauptthema im ersten Satz von Mendelssohns «schottischer» Symphonie kommt einfach nicht in Form. Es schaukelt unentschlossen zwischen den Taktstrichen. Kein Drive, kein Ziel, kein Ausdruck. Was tun? Die Blicke einiger Orchestermusiker richten sich verstohlen ins Parkett. Dort sitzt derjenige, der es wissen müsste. Und der ist auch schon aufgesprungen und federt in nagelneuen, roten Turnschuhen aufs Podium.
David Zinman ist gerade siebzig geworden, aber was Agilität und Konzentration betrifft, seinen Studenten noch immer weit voraus. Statt irgendwelcher Erklärungen klopft er mit der rechten Hand auf den Rücken seiner linken und summt dazu im Pianissimo, wie es sein könnte, dieses Thema. Wie es sein müsste. So nämlich, als ob es schon immer dagewesen wäre, wie ein alter Bekannter. Was Zinman unhörbar klopft, ist nicht der Rhythmus, den Mendelssohn notiert hat. Es ist der Puls, der darunter liegt: jener Puls, der schon ticken sollte, bevor auch nur ein Geiger zum Auftakt ansetzt. Neuer Versuch, neues Schaukeln, neuer Abbruch. Und noch einmal summt Zinman leise, zwingt das Orchester und ...
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