Makellos gepflegt

Das erste CD-Recital der amerikanischen Sopranistin Nadine Sierra

Opernwelt - Logo

Gemessen an den Preisen, die sie bislang abgeräumt hat – beispielsweise den Beverly Sills Award der Met (2018) und den Richard Tucker Award (2017) –, ist es schon fast erstaunlich, dass Nadine Sierra (30) erst jetzt bei einem Major Label ihr CD-Debüt gibt.

Zumal die aus Florida stammende Sopranistin mit familiären Wurzeln in Puerto Rico und Portugal ziemlich genau den Anforderungen des Marktes entspricht: jung, attraktiv, an ersten Häusern in Europa (La Scala, Opéra national de Paris, Covent Garden, Opernhaus Zürich, Berliner Staatsoper) wie in Amerika (San Francisco Opera, Met) gefragt, mit cremigem Timbre und geschmeidiger Technik gesegnet. Letzthin war sie vor allem mit Verdi-Partien unterwegs – als Gilda («Rigoletto») und Nannetta («Falstaff»); auch als Donizettis Lucia wird sie gern gebucht und steht demnächst (unter Marc Minkowski in Bordeaux) zum ersten Mal als Massenets Manon auf der Bühne.

Für ihr erstes Studio-Recital hat Sierra sich auf ein reines Balladen-Programm eingelassen. Von Bernstein bis Villa-Lobos, von Strawinsky bis Golijov zelebriert sie da die zweifelhafte Kunst weichzeichnender Sentimentalität. Nicht, dass wir Musical-Hits wie «Somewhere», der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Sonne im Herzen

Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, stellt sich auch bei Menschen, die ihre Freizeit bevorzugt in gut geheizten Theatern und Konzertsälen verbringen, der Winterblues ein. Die beiden neuen Alben von Plácido Domingo und Juan Diego Flórez sind ein probates Mittel dagegen. Denn der Madrilene wie auch sein in Lima geborener Sängerkollege...

Hitparade

Der Schöpfer selbst nannte sein Werk eine «Oper ohne Komponisten». Tatsächlich war es eine Reihe von (ahnungslosen) Tonsetzern, bei denen sich Lorenzo Da Ponte für sein Pasticcio «L’ape musicale» («Die musikalische Biene») bediente. Die Sache erwies sich als so ertragreich, dass er das Potpourri gleich viermal auf die Bühne brachte: in Wien (1789 und 1791), in...

Hosen runter

Die Rasur des Hauptmanns fällt aus. Er kauert auf einem ausgestopften Pferd, das gerade zum Sprung ansetzt. Von Wozzeck rasiert werden hier ein paar in Reih und Glied aufgestellte Gardisten, und zwar unterhalb der Gürtellinie: Einem nach dem anderen stutzt er das Haar am Gemächt. Hinten zieht ausgelassenes Volk vorbei, Fähnchen schwenkend, zum Frohsinn...