Zuhälter und Alphörner

Beethovens «Fidelio» in Bern, Mozarts «La clemenza di Tito» in Luzern und Philippe Fénélons Neuschöpfung «JJR» in Genf

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In der Bundesstadt Bern, deren graugrüne Bürgerhäuser hoch über der Aare gemächliche Zufriedenheit ausstrahlen, hat die erste Spielzeit des neuen Intendanten Stephan Märki begonnen, zugleich die erste der Stiftung «Konzert Theater Bern», zu der Symphonieorchester und Dreispartenhaus gerade zusammengeschlossen worden sind. Joachim Schlömers Inszenierung von Beethovens «Fidelio» (in der Fassung von 1805) wurde vom Haus im Vorfeld als ein so «zeitgemäßer wie mutiger Opernabend» angekündigt. Auf dem Plakat prangt eine Pistole. Man will das Publikum herausfordern.

Schon während der Ouvertüre («Leonore II») enthüllt sich die Ästhetik: Es gähnt ein schwarzer Bühnenraum, aufdrehbar, mit dramatischen Schrägen (Olga Ventosa Quintana), in der Luft hängt ein Gefangener im Lendentuch: Black. Dann erscheint Leonore, streift ihr Satinnachthemd ab (ein Raunen weht durch den Saal), schlüpft in Männerkleider und Perücke. Black. Schlömer legt die Fabel als Folge einzelner Bilder an, friert sie ein in plakativen Szenen der Kälte und Brutalität und greift dabei immer wieder in die Klischeekiste des Regietheaters. Jaquino versucht Marzelline zu vergewaltigen. Rocco spricht in den Dialogen ausschließlich ...

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Opernwelt November 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Wiebke Roloff

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