Modernes Martyrium
Elisabeth Stöppler hat «Dialogues des Carmélites», eine der beklemmendsten Opern der klassischen Moderne, nicht auf den Kopf gestellt wie Dmitri Tcherniakov in seiner umstrittenen, von den Poulenc-Erben inkriminierten Münchner Inszenierung.
Aber auch sie rückt das Stück um das historisch verbürgte Martyrium der 16 Karmelitinnen von Compiègne während der Französischen Revolution weg vom gefühligen Kloster-Realismus und stößt zu seinem Kern, dem zentralen Anliegen Poulencs wie seiner beiden literarischen Kronzeugen Gertrud von le Fort und Georges Bernanos, vor: der Lebensangst der jungen Blanche de la Force, geboren beim Tod der Mutter, in Todesfurcht lebend, die sie aus der gefährdeten Welt von Vater und Bruder in die abgeschiedene Gemeinschaft des Karmel treibt.
Aber auch dort verliert sie ihre Zweifel nicht, wird Zeugin des schweren, keineswegs in religiöser Gefasstheit erlittenen Todes der alten Priorin, des Machtkampfs von deren Nachfolgerin mit der Subpriorin Mère Marie, und begegnet in der scheinbar lebenslustigen Novizin Constance einer gleichfalls traumatisierten, von Todessehnsucht erfüllten Schwester. Nicht zuletzt wird sie dort von den revolutionären Ereignissen ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Uwe Schweikert
Am 1. Juli 1916 begannen französische und britische Streitkräfte im Somme-Gebiet eine Großoffensive gegen die deutsche Wehrmacht. Doch schon am selben Abend waren fast 20.000 der britischen Soldaten gefallen. Der Kampf tobte bis Mitte November, ehe er, weitgehend ergebnislos, abgebrochen wurde. Innerhalb weniger Monate kamen auf beiden Seiten der Front rund eine...
Man muss sie mögen, die Oper unter freiem Himmel. Tut man das aber, findet man sich ab mit wenig bequemen Sitzgelegenheiten, unfreundlichen Temperaturen und plaudernden Nachbarn. Auch mit dem blechernen Klang des Orchesters, das sich über eine verhältnismäßig bescheidene Verstärkeranlage bemerkbar macht, und dem ebenfalls verstärkten Darsteller, der rechts singt,...
Diese Uraufführung versprach eine grausige Geschichtsstunde. Die Story: Eine Prostituierte, Sarah Osborne, wird für den Mord an ihrem Ehemann und den zwei Kindern gehängt, die Leiche sodann öffentlich seziert. Tatsächlich floss in Bob McGraths Inszenierung von David Langs «Anatomy Theater» reichlich Kunstblut. Vor allem aber punktete die Los Angeles Opera im...
