Die entkleidete Oper
Eigentlich wollen wir sie nicht mehr sehen, diese Herren in ihren mausgrauen Anzügen, mit Schlips und Köfferchen. Und dieses Lounge-Mobiliar mit Ledersofa, Rolltreppen, Hotel-Lobby- und Airport-Lifts. Dennoch: Christian Schmidts «Rinaldo»-Ambiente in Zürich geht letztlich doch auf. Zumal, wenn sich herausstellt, dass Ramses Sigls Schlips-und-Kragen-Ballett der Wiedergabe den realistischen Boden entzieht und ihr einen Hauch von ironisierender Revue zufächelt.
Diese Künstlichkeit bildet sich am stärksten heraus, wenn eine unwirkliche Zeitlupenbewegung des gesamten Ensembles Rinaldos Arie «Cara sposa» umgibt und den Bildalltag mit schier magischen Momenten durchsetzt.
Claus Guth sollte inszenieren. Jens-Daniel Herzog übernahm das Konzept des erkrankten Kollegen. Wir sind offenbar mit einem Wirtschaftskrieg (Öl?) konfrontiert, erleben einen von Armidas Strategie beflügelten Fall von raffinierter psychologischer Schlachtführung. Die Erschütterung der ursprünglichen Liebesordnung bringt das ganze Quiproquo ins Schillern: Weder bleiben die Christin Almirena von Jerusalems König Argante noch der (umgedeutete) Kreuzritter Rinaldo von der sarazenischen Zauberin und kapitalen Erotikerin ...
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Für einmal macht Triquet keine graziösen Faxen, sondern stürmt und drängt, führt quasi die Leiden des jungen Werther vor. Am Schluss seiner Couplets schenkt er Tatjana, die er offenbar tief verehrt, eine dunkle Blume – jene Blume des Abschieds vielleicht, von der Rilke sagt, sie blühe irgendwo und streue «immerfort Blütenstaub, den wir atmen, herüber; auch noch im...
«Überkandidelt», sagte jemand nach der Premiere von Strauss’ «Capriccio» an der Wiener Staatsoper. Das Wort mag etwas mit dem Kandieren zu tun haben, einer Konservierungsmethode für Obst, die den Zuckergehalt erhöht und den Wassergehalt reduziert. Die Assoziation hätte etwas für sich, denn der Gehalt von Strauss’ Partitur an reifer, gelegentlich überbordender Süße...
Dolly war nur der Anfang; jetzt klonen sie bereits Groucho Marx. Zumindest schien der Komiker Ende Juni in vielfacher Ausführung durch Foyer und Zuschauerraum des Grazer Schauspielhauses zu wuseln und sich auch auf der Bühne an mehreren Klavieren gleichzeitig zu betätigen: Männer mit schwarzen Perücken und ebensolchen aufgeklebten Schnäuzern. Perplex der...
