Freiheit nur für ihn

Mozart: Don Giovanni
KARLSRUHE | BADISCHES STAATSTHEATER

Opernwelt - Logo

Hotels sind Durchgangsstationen. In Ihnen liegen Öffentlichkeit und Intimität, Komödie und Tragödie nur eine Handbreit voneinander entfernt. Wie bilanzierte Vicki Baum am Ende ihres Bestsellerromans «Menschen im Hotel» von 1929 so trefflich: «Glückseligkeiten und Katastrophen wohnen Wand an Wand.»

Was aber ist das Glück, was die Katastrophe für Don Giovanni? Floris Visser deutet es schon gleich zu Beginn seiner Karlsruher Neuinszenierung von Mozarts Meisterwerk an: Es ist im Grunde dasselbe.

Don Giovanni kniet, den nackten, geschundenen Oberkörper dem Publikum zugewandt, vor (s)einem Hotelbett, in dem zwei sehr offenherzige Damen ruhen, und geißelt sich mit einer Peitsche. Über der Schlafstatt ein großes weißes Kreuz, an der Wand eine Strichliste. Man darf annehmen, dass jeder Kick, jede Befriedigung einen neuen Strich generieren – eine moderne Auslegung des Registers, das sein Diener Leporello führt. Schmerz und Libido, Obsession und Autismus liegen in dieser Figur so nah beieinander wie die Räumlichkeiten des Hotels, in dessen Anonymität Don Giovanni dauerhaft logiert. Dieuweke van Reij hat ein Labyrinth aus Zimmern, Gängen, Foyers und einem Saal auf die Drehbühne gestellt – ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Kongenial verschlankt

Es dauert nicht mehr lange, dann wird die aufwendig gestaltete CD-Buch-Reihe der Stiftung Palazzetto Bru Zane zur unbekannten Geschichte der französischen Oper im 19. Jahrhundert auf 25 Titel angewachsen sein. Dabei ist es gerade mal zehn Jahre her, dass die Archivarbeit, die Erstellung historisch-kritischer Editionen und deren Erprobung in der Konzertpraxis dank...

Zeitlos wertvoll

Dass die Archive der BBC noch viele vergessene Schätze bergen, erweist sich ein weiteres Mal mit der Veröffentlichung von Aufnahmen der Weber’schen «Euryanthe» (1955) und Mozarts «Le nozze di Figaro» (1961). Die Aufzeichnung von Carl Maria von Webers romantischer Oper – der Musik wegen heiß geliebt, des abstrusen Librettos wegen kaum auf der Bühne zu erleben – war...

Süffige Melodik, herbe Poesie

Christina Pluhar hat 2005 mit der Sopranistin Véronique Gens eine CD mit vokaler Kammermusik von Luigi Rossi (1597-1653) aufgenommen. Ein Rechtsstreit verhinderte damals das Erscheinen, nach dessen Beilegung die von Rossi begeisterte Pluhar sie jetzt um zwei weitere CDs mit Kantaten des diskografisch bislang nur unzureichend gewürdigten römischen Komponisten...