Bild(er)mächtig

Berg: Lulu
Leipzig | Oper

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Schönes Foto. Es zeigt, schwarz-weiß in der einen, gelb durchstochen in der anderen Diagonale, die Büste eines Mädchens: etwa zwölf Jahre alt, Lockenkopf mit Seitenscheitel, Sommerkleid, ein hübsches Schleifchen im Haar, Blumen in der Hand, vorwiegend Rosen in verschiedenen Farben. Aber auch Lilien. Was noch stärker irritiert, ist der Blick des Mädchens. Er ist seltsam ernst, streng, ausgehöhlt. So als sei jede Leichtigkeit aus ihrem Leben verschwunden.

Das Foto hängt draußen, vor der Oper, als Plakat für die – man höre und staune – Leipziger Erstaufführung von Alban Bergs «Lulu» in der von Friedrich Cerha vervollständigten Fassung. Drinnen sehen wir das, was sich hinter diesem Foto verbirgt. Eine grausame Missbrauchsgeschichte. Erzählt in verwackelten, übereinanderstürzenden Bildern, ohne Ton und gerade deswegen umso eindrücklicher. Die Bilder, sie brauchen keine Worte, sie sind sprachmächtig genug. Sie zeigen, wiewohl rasend schnell, eindeutig, wie ein Mädchen von seinem Vater in den eigenen vier Wänden zur Prostitution gezwungen wird. Ein Mädchen von zwölf Jahren. Und sicher ist es kein Zufall, dass einer der Herren, die da für Sekundenbruchteile durchs Bild stapfen, jenem Mann ...

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Opernwelt August 2018
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Jürgen Otten

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