Lachen, Sorgen, Zagen
Verantwortungslose Heiterkeit, die in diesem Wirrsal ein Bild unserer realen Verkehrtheiten ahnen lässt», ist nach Karl Kraus’ treffender Formulierung Sinn und Zweck der Operette. Von dieser lösenden Wirkung erfüllt ist auch der märchenhafte Schluss von Gioacchino Rossinis Oper «La gazza ladra», wenn nach dreieinhalb Stunden das Justizdrama um das unschuldig zum Tode verurteilte Dienstmädchen Ninetta glücklich endet. Denn nicht sie, wie sich in letzter Sekunde herausstellt, hat den silbernen Löffel ihrer Herrschaft gestohlen, sondern die sprichwörtliche «diebische Elster».
Rossinis Semiseria, die das Buffoneske empfindsam vertieft und den Ernst im Rausch der Crescendo-Walze bis zur Frenesie überdreht, ist ein musikalisches Meisterwerk, von dem man zwar die populäre Ouvertüre kennt, das aber hierzulande kaum je auf die Bühne kommt. Frankfurt hat es, wie so oft schon in ähnlichen Fällen, gewagt und auf der ganzen Linie gewonnen!
Regisseur David Alden und sein Bühnenbildner Charles Edwards haben der Tragikomödie einen strengen Rahmen verpasst – ein Bühnenhalbrund mit zahlreichen Türen –, der im zeitlos ländlichen Ambiente des beginnenden 20. Jahrhunderts die sozialen Spannungen von ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Uwe Schweikert
Unter den Dokumentarfilmern, die sich für Musik interessieren, nimmt Bruno Monsaingeon einen besonderen Rang ein. Der Franzose ist ausgebildeter Geiger und verkehrt mit Musikern sozusagen in ihrer Sprache. Das hat ihm nicht nur Türen, sondern auch Herzen geöffnet. Monsaingeon interessiert sich für die eher scheuen, oft schwierigen Künstler, die ihren Weg abseits...
Es gibt da ein Spiel, das Opernfans in England gern spielen. Es heißt «Richard Jones Bingo» und geht so: Man geht in eine Jones-Inszenierung. Und jedes Mal, wenn man eins seiner Markenzeichen sieht, gibt’s ein Kreuzchen. Eine Blümchentapete? Ein Waschbecken? Ein Sänger, der seltsame Verrenkungen macht? Bingo!
Gerade laufen in Glyndebourne die Proben für den...
Die Leistung von Gerard Mortier war nicht nur die Etablierung einer neuen Opernästhetik. Er verstand es auch, für seine Projekte Ressourcen zu erschließen und Menschen zu motivieren. Er brachte Kunst an Orte, die schon verloren oder noch zu entdecken waren: an das weiland arg angestaubte Brüsseler Opernhaus, an die in Repräsentationskultur erstickten Festspiele...
