Kein Zuckerschlecken
Gerötete Gesichter, glasige Blicke – fast ist man überrascht, in der Pause nicht jedermanns Haar steil nach hinten geföhnt zu sehen vom Sturm der Töne. Operndirektor Jan Michael Horstmann lässt aus dem Graben die Zirkusmusik von Wagners «Jugendsünde» schrillen, fröhlich kräht dazu der Chor, monströse Brüllarien ziehen vorüber: In der «großen komischen Oper» Das Liebesverbot, die Wagner im Alter von 22 Jahren schrieb, steckt Zukunftsmusik, insofern als schon hier jedes Stimmband zum Zerreißen gespannt ist.
Hinrich Horstkottes Inszenierung packt diese Musik ironisch an und macht aus der Karnevalsoper einen rechten Schabernack. Lärmgeplagte Palermitaner halten sich die Ohren zu, wenn der Pegel im bedrängten Saal der Sächsischen Landesbühnen das Trommelfell zu zerreißen droht. Man muss sich als Zuhörer nicht schämen, selbst unauffällig die Hände unters Haar zu schieben, wenn’s gar zu toll wird. Zwar dröhnt der Kopf, zwar sind die Kapazitäten des Ensembles strapaziert, doch langweilig wird’s nicht, und den Solisten (u. a. Ulf Paulsen als Zweitbesetzung des Friedrich, Guido Hackhausen als Claudio, Stephanie Krone als Isabella) gelingt es, unfallfrei durch die schweren Partien zu kommen.
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Wiebke Roloff
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